Die Aufdeckjournalistin Daphne Caruana Galizia wurde 2017 mit einer Autobombe getötet. Mit Demonstrationen über Jahre drängte Maltas Zivilgesellschaft zur – von Politik und Behörden – verschleppten Aufklärung.

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In der Nacht vor seiner neuerlichen Aussage wurde ein Kronzeuge im Mordfall der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia diese Woche blutüberströmt in seiner Wohnung aufgefunden, mit Stichwunden im Hals, im Körper und an den Händen. Die Polizei erklärte, sie gehe von einem Suizidversuch des Belastungszeugen aus. Die Behörden verschleppten die Ermittlungen in dem Fall mit Verbindungen bis in Maltas Regierung über Jahre.

Die Polizei in Malta hatte den Taxifahrer Melvin Theuma in der Nacht auf Dienstag nach eigenen Angaben mit Stichwunden am Körper, Hals und den Händen gefunden. Sofort tauchten Gerüchte über einen möglichen Angriff auf.

Die Polizei wies solche Spekulationen am Mittwoch zurück. Die regierungskritische Bloggerin Caruana Galizia war im Oktober 2017 durch eine Autobombe in die Luft gesprengt worden. Die Journalisten-Organisation Reporter ohne Grenzen erklärte, sie sei "in höchstem Maße beunruhigt".

Polizeikommissar Angelo Gafà sagte, Theuma sei mit einem Messer in der Hand gefunden worden. Man gehe davon aus, dass er sich selbst verletzt habe. Hinweise auf andere Beteiligte lägen nicht vor. Die Behörden hatten das Haus des Kronzeugen bewacht. Theumas Anwalt habe vergeblich versucht, seinen Klienten zu erreichen und Alarm geschlagen. Der Zustand des Verletzten sei kritisch, aber stabil.

Theuma hätte am Mittwoch erneut vor Gericht aussagen sollen. Der Taxifahrer hatte für Informationen zu dem Mordfall Straffreiheit erhalten. Vor Gericht hatte er ausgesagt, dass der Unternehmer Yorgen Fenech ihm Geld gegeben habe, um Auftragskiller zu bezahlen. Fenech weist die Anschuldigungen zurück. Er war im November 2019 festgenommen worden, als er Malta mit einer Jacht verlassen wollte. Inzwischen ist er unter anderem wegen Mittäterschaft angeklagt.

Caruana Galizia hatte über Korruption beim Bau eines Gaskraftwerks recherchiert, an dem Fenech beteiligt war. Weil auch politische Funktionäre in den Mord verwickelt sein sollen, hatte der Fall zum Austausch der Regierung in Valletta geführt. Menschenrechtsgruppen beobachten die Ermittlungen. (APA, dpa, red, 24.7.2020)