Donald Trump glaubt nicht an seine schlechten Umfragewerte.

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Washington – Hundert Tage vor der Wahl in den USA zeigt sich Präsident Donald Trump siegesgewiss – und zwar trotz schlechter Umfragewerte. Der Republikaner schrieb am Sonntag auf Twitter, für seinen Wahlkampf gebe es mehr Enthusiasmus als für irgendeine andere Kampagne in der Geschichte des Landes. Seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden gelinge es im Wahlkampf dagegen nicht, Begeisterung hervorzurufen.

"Die schweigende Mehrheit wird am 3. November sprechen!", falsche Umfragen und "Fake-News" würden die "radikale Linke" nicht retten. Trumps Wahlkampfteam argumentiert, dass schlechte Umfragewerte unter anderem darauf zurückzuführen seien, dass Republikaner bei Befragungen unterrepräsentiert sind. Das Team weist auch darauf hin, dass Trump bei den allermeisten Umfragen vor der Präsidentschaftswahl 2016 hinter seiner Kontrahentin Hillary Clinton gelegen, dann aber gewonnen habe. Nach Ansicht von Experten ist das Rennen längst nicht ausgemacht.

Für den Fall einer Niederlage hat Trump jedenfalls schon rhetorisch vorgesorgt. In Interviews erklärte er, die Möglichkeit zur Briefwahl korrumpiere den Urnengang im November. Wie schon bei der letzten Wahl 2016 wollte er sich, entgegen der Usancen in den USA, nicht darauf festlegen, das Wahlergebnis in jedem Fall zu akzeptieren.

Rückstand in drei "Swing States"

Der Sender CNN veröffentlichte am Sonntag eine Umfrage, wonach Trump in drei umkämpften Bundesstaaten hinter Biden liegt: Florida, Arizona und Michigan. Alle drei Bundesstaaten hatte Trump 2016 gewonnen. In landesweiten Umfragen liegt Trump seit Wochen deutlich hinter Biden. US-weite Befragungen haben aber wegen des komplizierten Wahlsystems in den USA sehr begrenzte Aussagekraft.

Am Ende ist eine Mehrheit von 270 Wahlleuten aus den Bundesstaaten für einen Sieg ausschlaggebend, nicht die Mehrheit der Wählerstimmen. Trump war es 2016 überraschend gelungen, die drei sogenannten Swing States Pennsylvania, Michigan und Wisconsin zu gewinnen. Swing States sind Bundesstaaten, in denen die Wählermehrheiten immer wieder wechseln. Selbst wenn er zwei davon in diesem Jahr verlöre, käme Trump auf eine ausreichende Zahl von Wahlleuten – vorausgesetzt, er kann alle anderen Bundesstaaten halten, in denen er sich 2016 durchsetzte. (APA, dpa, 26.7.2020)