Jens Spahn, deutscher Gesundheitsminister, will eine Test-Pflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten anordnen.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte freiwillige Teststationen an mehreren Autobahn-Grenzübergängen zu Österreich an.

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Coronavirus-Testung bei der Drive-in-Station vor der Dienststelle des Roten Kreuzes St. Wolfgang.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Deutschen fürchten ein zweites Ischgl. Gesundheitsminister Jens Spahn will einen verpflichtenden Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten. Das deutsche Bundesland Bayern will Flug-, Bahn- und Autoreisende auf das Coronavirus testen. Dafür werden an Autobahn-Grenzübergängen zu Österreich freiwillige Teststationen eingerichtet.
  • Der Coronavirus-Cluster in St. Wolfgang im oberösterreichischen Salzkammergut ist auf 57 Infizierte gewachsen. In Summe wurden in dem Tourismusort bisher 860 Tests durchgeführt, ausgewertet wurden allerdings noch nicht alle.
  • Der erste deutsche Covid-19-Patient hat laut eigenen Angaben keine gegen eine erneute Ansteckung schützenden Antikörper mehr in sich. Er war am 27. Jänner positiv getestet worden.
  • Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) stellt eine baldige Reparatur der nach dem jüngsten Spruch des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) noch geltenden Corona-Verordnungen in Aussicht.
  • Im Cluster um einen Schlachtbetrieb in Eggenburg (Bezirk Horn in Niederösterreich) sind zehn weitere Folgefälle registriert worden. Auch die Zahl der Infizierten um die Freikirche in Wiener Neustadt ist um zwei Personen gestiegen.
  • Die Unterstützungsleistungen des Bundesheeres während des Corona-Lockdowns haben insgesamt drei Millionen Euro gekostet. Zwei Millionen Euro entfallen allein auf den Einsatz bei der Post.
  • In Österreich treten am Montag neue Einreisebeschränkungen in Kraft. Die Übergangsfrist für Österreicher die sich bereits im Ausland befinden gilt nicht wie ursprünglich angekündigt bis zum Samstag, sondern nur bis Donnerstag, 30. Juli.
  • Das Außenministerium hat die Reisewarnung für Großbritannien herabgestuft, empfiehlt aber weiterhin einen Verzicht auf nicht notwendige Reisen.
  • In Vorarlberg soll die Einhaltung der Covid-19-Maßnahmen nicht mehr durch die Polizei kontrolliert werden. Es werden keine "Coronra-Strafen" mehr ausgesprochen.
  • China hat am Montag den höchsten Anstieg an Corona-Neuinfektionen seit April verzeichnet. Innerhalb von 24 Stunden haben sich 61 Menschen infiziert.
  • Vietnam kündigt die Evakuierung von 80.000 Urlaubern aus der Stadt Da Nang an. Dort waren drei Einwohner positiv auf das Coronavirus getestet worden.
  • Mit 549 Neuinfektionen vermeldete Australien am Montag einen neuen Negativrekord.
  • Spanien hat sich mit Großbritannien über eine Ausnahme der zweiwöchigen Quarantänepflicht für Reiserückkehrer geeinigt.
  • Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, Robert O'Brien, hat sich mit dem Coronavirus infiziert.
  • 152 Bischöfe, Erzbischöfe und emeritierten Bischöfe aus Brasilien werfen Präsident Jair Bolsonaro Unfähigkeit bei der Bewältigung der Krise vor.

Spahn will verpflichtenden Test für Urlauber

Wer aus einem Corona-Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, soll sich künftig auf das Virus testen lassen müssen. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte an, er werde "eine Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten anordnen". Es gelte zu verhindern, dass Reiserückkehrer unbemerkt andere anstecken und so neue Infektionsketten auslösen.

Bayern fordert ein deutschlandweites Konzept mit Pflichttests für Urlaubsheimkehrer aus Risikogebieten. Zugleich richtet das deutsche Bundesland an mehreren Autobahn-Grenzübergängen zu Österreich freiwillige Teststationen ein – ebenso an den Hauptbahnhöfen in München und Nürnberg, kündigte Ministerpräsident Markus Söder am Montag in München an.

Söder appellierte an die deutsche Bundesregierung, über das Infektionsschutzgesetz die Rechtsgrundlage für verpflichtende Corona-Tests zu geben. Sobald das rechtliche Okay komme, werde Bayern an den Flughäfen Rückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend testen. Diese Pflicht müsse "unbedingt" und "so schnell wie möglich" kommen, forderte Söder. Bayern werde nun alles organisatorisch vorbereiten, um bei einer entsprechenden Regelung des Bundes direkt mit Pflichttests anfangen zu können.

Über die jüngsten Entwicklungen in Deutschland berichtet DER STANDARD hier.

Erster deutscher Corona-Patient ohne Immunschutz

Ein als erster deutscher Covid-19-Patient geltender Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto hat bereits drei Monate nach seiner Ansteckung keine gegen eine erneute Ansteckung schützenden Antikörper mehr in sich. "Seit April habe ich keine neutralisierenden Antikörper mehr", sagte der Mann in einem von Webasto am Montag veröffentlichten Interview.

Von seiner Erkrankung spüre er keinerlei Nachwirkungen, er habe "Riesenglück" gehabt. Der Mitarbeiter des Unternehmens aus Stockdorf in Bayern war am 27. Jänner positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Er sei damals vor allem um seine schwangere Frau und seine kleine Tochter besorgt gewesen, die sich aber – ebenso wie andere Familienmitglieder oder Freunde – nicht bei ihm angesteckt hätten.

"Das ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar, da ich eine volle Woche unbewusst dieses Virus in mir hatte und ich normal mit meiner Familie und Freunden zusammen war." Es seien aber alle zweimal getestet worden, alle Tests seien negativ ausgefallen. Der erste deutsche Corona-Patient war 19 Tage im Krankenhaus, ihm gehe es heute bestens. Angesteckt habe er sich während einer einstündigen Besprechung mit einer Kollegin aus China.

Nehammer: Corona-Verordnungen werden repariert

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat am Montag am Rande einer Pressekonferenz in Salzburg eine baldige Reparatur der nach dem jüngsten Spruch des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) noch geltenden Corona-Verordnungen in Aussicht gestellt. "Das Gesundheitsministerium arbeitet derzeit an einer neuen Richtlinie, die bundesweit gelten soll." Wann diese kommen soll, konnte er heute aber noch nicht sagen.

Er sei für ein akkordiertes Vorgehen in ganz Österreich, sagte der Innenminister. Bis Vorliegen einer neuen Regelung sollten die Polizeidirektionen der Länder mit den jeweiligen Gesundheitsbehörden Rücksprache halten und die weitere Vorgehensweise in ihrem Wirkungsbereich klären.

Zehn weitere Folgefälle in Eggenburger Cluster

Im Coronavirus-Cluster um einen Schlachtbetrieb in Eggenburg (Bezirk Horn) sind zehn weitere Folgefälle registriert worden. Die Infektionen seien aus Tschechien und Ungarn gemeldet worden, teilte ein Sprecher von Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Montag auf Anfrage mit. Es handle sich bei den Patienten nicht um Mitarbeiter des Betriebs, weitere Details seien aber nicht bekannt.

Die Zahl der direkt Infizierten im Hotspot um die Wiener Neustädter "Pfingstkirche Gemeinde Gottes" stieg unterdessen von 28 auf 30. Zwei Personen, die zuvor negativ getestet worden waren, sind dem Sprecher von Königsberger-Ludwig zufolge nun nachweislich an Covid-19 erkrankt. Bei den Betroffenen seien während der verhängten Quarantäne Symptome der Krankheit aufgetaucht.

Übergangsfrist für Einreisebestimmungen endet schon am Donnerstag

Die am Freitag veröffentlichte novellierte Einreiseverordnung des Gesundheitsministeriums tritt ab Montag in Österreich in Kraft. Für die Rückkehr nach Österreich aus Corona-Risikogebieten ist nun verpflichtend ein negativer PCR-Test notwendig. Liegt ein solcher bei der Einreise nicht vor, müssen die Betroffenen in Heimquarantäne und den Test innerhalb von 48 Stunden nachholen.

Für Österreicher (sowie für Personen mit Wohnsitz in Österreich), die sich bereits im Ausland befinden, gilt eine Übergangsfrist. Diese fällt aber kürzer aus als vom Ministerium ursprünglich angekündigt. In einer Aussendung des Ministeriums am Wochenende hatte es noch geheißen, dass die neuen Regeln für sie erst ab 1. August (Samstag) gelten. Tatsächlich ist das aber schon ab 30. Juli (Donnerstag) der Fall.

Keine "Corona-Strafen" in Vorarlberg

Nach dem VfGH-Entscheid, der mehrere Bestimmungen zur Coronavirus-Bekämpfung für gesetzeswidrig erklärt hat, werden in Vorarlberg aktuell keine "Corona-Strafen" mehr ausgesprochen. Die vier Bezirkshauptmannschaften als Gesundheitsbehörde entschieden am Freitag, die Einhaltung der Covid-19-Maßnahmen nicht mehr durch die Polizei kontrollieren zu lassen.

Polizeisprecher Rainer Fitz bestätigte auf APA-Anfrage einen entsprechenden Bericht von ORF Radio Vorarlberg. "Das bedeutet, dass in der Angelegenheit seit Freitagabend keine Anzeigen mehr erstattet und keine Organstrafverfügungen mehr eingehoben werden". In erster Linie geht es dabei um Beanstandungen hinsichtlich des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes bzw. um die Einhaltung von Mindestabständen.

China verzeichnet stärksten Anstieg von Infektionen seit April

China hat am Montag den höchsten Anstieg an Corona-Neuinfektionen seit April verzeichnet. Insgesamt infizierten sich binnen 24 Stunden 61 Menschen mit dem neuartigen Virus, wie die nationale Gesundheitsbehörde mitteilte.

Die Entwicklung ist auf Infektionsherde in drei Regionen zurückzuführen: in der nordwestlichen Region Xinjiang, der nordöstlichen Region Liaoning und der Nachbarprovinz Jilin. Die Behörden ordneten Massentests für hunderttausende Bewohner an, wie staatliche Medien berichten.

Vietnam evakuiert 80.000 Urlauber

Mehrere Staaten in Asien haben neuerlich strenge Maßnahmen gegen Sars-CoV-2 getroffen. Vietnam kündigte am Montag die Evakuierung von 80.000 überwiegend einheimischen Urlaubern aus Da Nang an, nachdem drei Einwohner am Wochenende positiv auf das Virus getestet worden waren. Das Land ist alarmiert, seit am Samstag die ersten Ansteckungen im Inland seit April gemeldet wurden.

Negativrekord in Australien

Australien verzeichnet derzeit die höchsten Ansteckungsraten mit dem Coronavirus seit Beginn der Pandemie. Am Montag meldeten die Behörden mindestens 549 neue Infizierte, fast ausschließlich im Bundesstaat Victoria mit der Millionenmetropole Melbourne. Am Sonntag waren mit zehn Todesfällen die meisten Corona-Toten an einem Tag gemeldet worden. Victoria ist weitgehend vom Rest des Landes abgeriegelt, in Melbourne wurden Ausgangsbeschränkungen und eine Maskenpflicht verhängt.

Spanien will Ausnahmen von britischer Quarantänepflicht

Spanien hat mit Großbritannien eine Übereinkunft für Rückkehrer aus den Balearen und den Kanaren getroffen. Im Gegensatz zu Spanienurlaubern müssen sich diese nun doch nicht in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.

Die Regierung in London hatte die Quarantänepflicht am Sonntag wegen wieder steigender Corona-Zahlen in einigen Regionen Spaniens nur etwas mehr als 24 Stunden vor dem Inkrafttreten angekündigt. Die britische Quarantänepflicht habe der spanischen Tourismusbranche "den Rest gegeben", schrieb die spanische Zeitung "El País". Mit mehr als 270.000 nachgewiesenen Infektionen und über 28.400 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder Europas.

Trumps Sicherheitsberater positiv

Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, Robert O'Brien, hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das teilte das Weiße Haus am Montag mit. Er habe milde Symptome, sich selbst isoliert und arbeite von einem sicheren Ort aus.

Es gebe keine Ansteckungsgefahr für Präsident Trump oder Vizepräsident Mike Pence, erklärte das Weiße Haus. Die Arbeit des Nationalen Sicherheitsrates gehe ununterbrochen weiter. In den vergangenen Monaten hatte es mehrere positive Coronavirus-Fälle in Trumps Umfeld gegeben.

Kirchenvertreter aus Brasilien werfen Bolsonaro Unfähigkeit vor

Eine Gruppe aus 152 Bischöfen, Erzbischöfen und emeritierten Bischöfen aus Brasilien wirft Medienberichten zufolge Präsident Jair Bolsonaro und seiner Regierung Unfähigkeit bei der Bewältigung der aktuellen Krisenlage vor. Der Text bezeichnet die Coronakrise als "perfekten Sturm", für den zum großen Teil Bolsonaro verantwortlich sei. Brasilien sei ohnehin schon eine ungleiche, ungerechte und gewalttätige Gesellschaft. "Diese Realität lässt keine Gleichgültigkeit zu." Die Regierung sei jedoch untätig und lasse zu, dass Holzfäller, Goldsucher und Landwirte der Natur und neoliberale Wirtschaftsführer den Ärmsten schwere Wunden zufügten.

Zudem klagen die Geistlichen: "Wir müssen den wissenschaftsfeindlichen Diskurs miterleben, der die Tausenden von Toten als etwas Normales erscheinen lassen will, so als ob sie das Ergebnis eines Zufalls seien oder einer göttlichen Strafe." Seit Beginn der Pandemie, die in Brasilien bereits nahezu 90.000 Todesopfer gefordert hat, hatte Bolsonaro das Virus als "kleine Grippe" und die Maßnahmen zur Bekämpfung als "Hysterie" bezeichnet. (red, 27.7.2020)