In fast allen Swing States liegt Joe Biden vor Donald Trump. Missouri dürfte nach den Erhebungen aber eher an den Präsidenten gehen.

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"Gibt es in ihrer Umgebung Menschen, die abstreiten, Donald Trump zu wählen, es aber dann noch tun?" Die Umfrageschmiede Monmouth University wollte es vor rund einer Woche ganz genau wissen – und befragte Wählerinnen und Wähler im US-Bundesstaat Pennsylvania nach ihrer Meinung dazu. Das Ergebnis: 57 Prozent der Befragten sagten darauf Ja. Auch wenn es sich bei der Umfrage nicht um eine fundierte Einschätzung, sondern nur um Vermutungen handelt: Es ist ein Ergebnis, das viele bei den Demokraten nervös macht. Denn die Zahlen, die Umfragen den Gegnern Trumps derzeit ausweisen, scheinen vielen schon fast zu gut.

So auch jene der Monmouth-Umfrage in Pennsylvania: Rund 13 Prozentpunkte Vorsprung wies sie Joe Biden gegenüber Trump aus, der den Bundesstaat vor vier Jahren noch knapp gewonnen hatte. Pennsylvania, Michigan, Wisconsin: Die "blaue Wand" der Demokraten im Mittleren Westen scheint nach ihrem Abriss durch Trump im Jahr 2016 nun wieder zu stehen.

Republikanisches Zittern

Und, laut den Umfragen, nicht nur das. Auch in vielen anderen Bundesstaaten liegt Biden voran. Florida, North Carolina, aber auch das traditionell republikanische Arizona: Sie alle würden, ginge man heute bereits an die Urnen, Biden zum Präsidenten wählen. Selbst in traditionell republikanischen Staaten wie Georgia oder Texas könnte es knapp werden. Landesweit liegt er – je nach Zählvariante – zwischen acht und zehn Prozentpunkten voran.

Aber: Kann man sich darauf verlassen – oder gibt es sie wirklich, die Trump-Wählerinnen und -Wähler, die mit ihrer Meinung hinter dem Busch halten? Wahrscheinlich ja – aber es dürften nicht allzu viele sein. Möglich wäre, so das Urteil der Umfrage- und Analyseseite fivethirtyeight.com, dass einige Sympathisanten sich als unentschlossen ausgeben, in Wahrheit aber planen, den Präsidenten zu wählen.

Ein ähnliches Phänomen habe es in manchen Bundesstaaten 2016 gegeben. Dass diese Leute in Umfragen aber angeben, Biden wählen zu wollen – das scheint weniger realistisch. Und dieser liegt mittlerweile häufig bei über 50 Prozent.

Dass es nicht nur an der Person Trump liegen kann, geht auch aus anderen Umfragen hervor. Im "generic ballot" – also landesweiten Umfragen zur Parteipräferenz – liegen die Demokraten über acht Prozent vorn. Das würde trotz ungleicher Wahlkreise – des Gerrymanderings – für den Sieg im Repräsentantenhaus reichen. Und auch im Senat, wo die Demokraten wohl vier von 23 derzeit republikanischen Sitzen, die zur Wahl stehen, erobern müssen, sieht es gut aus. (Manuel Escher, 28.7.2020)