Ein Zeloten-Mönch bei einer Protestkundgebung vor dem Parlament in Athen 2017.

Foto: Reuters / ALKIS KONSTANTINIDIS

Athen – In der autonomen Klosterrepublik Athos in Griechenland hat laut Kathpress die Ausweisung ultraorthodoxer Mönche aus ihren Niederlassungen begonnen. Grundlage dafür ist ein Urteil des griechischen Verfassungsgerichtshofs vom 8. Juli.

Das Gericht hat die Zeloten (religiöse Eiferer, Anm.) auf Betreiben der Regierung der Mönchsrepublik sowie des Ehrenoberhauptes der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., wegen ihrer antiökumenischen Haltung zur Räumung ihrer Abtei Esphigmenou und deren Dependancen aufgefordert. Bartholomaios gilt als großer Befürworter der Ökumene.

Mönche bekämpften sich mit Molotowcocktails

Am vergangenen Freitag hatte ein großangelegter Polizeieinsatz begonnen. Dabei wurden zunächst ein außerhalb der Athos-Grenzen liegendes Klostergut und ein Pilgerhospiz geräumt und Angehörigen der vom Patriarchen neu gebildeten Bruderschaft übergeben.

Als Nächstes soll die Klostervertretung von Esphigmenou in der Athos-Hauptstadt Karyes an die Reihe kommen, ein historisches Gebäude aus dem 13. Jahrhundert. 2013 war um seinen Besitz zwischen den beiden rivalisierenden Bruderschaften regelrecht gekämpft worden. Die so bezeichneten Zeloten setzten dabei Molotowcocktails ein.

Schwierig dürfte vor allem die Räumung des Hauptklosters werden, wo sich 110 Mönche hinter hohen Mauern verschanzt haben. Es ist berühmt als Ausgangspunkt des Gründers des Kiewer Höhlenklosters, des heiligen Antoni Petscherski.

Athos-Regierung will "freien Abzug" anbieten

Nachdem die bisherigen Niederlassungen gewaltlos unter Mitnahme des gesamten Mobiliars sowie von Landmaschinen, Rindern und Schafherden geräumt worden sind, will die Athos-Regierung dem Zeloten-Abt Methodios von Esphigmenou "freien Abzug" zu einem anderen ökumenefeindlichen Kloster in Griechenland anbieten.

Die rund 335 Quadratkilometer große Mönchsrepublik Berg Athos befindet sich auf der östlichsten Landzunge der griechischen Halbinsel Chalkidiki. Die Landzunge ist der Mutter Jesu gewidmet. Um sie zu ehren, wird seit Jahrhunderten Frauen der Zutritt untersagt. Dort leben zurzeit rund 3.000 Mönche. Sie genießen einen Autonomiestatus innerhalb Griechenlands. Die Mönchsrepublik wird vom Rat der Äbte ihrer 20 Klöster verwaltet. Die Regierung in Athen wird von einem Verwalter und der Polizei vertreten. (APA, 28.7.2020)