Neue Corona-Cluster entstehen derzeit abseits der Städte in Sommertourismusregionen wie am Wolfgangsee.

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Die Coronaviren sind weiter unvorhersehbar im Umlauf. Ziel der Bundesregierung ist deshalb, das Infektionsgeschehen durch eine Reihe von Maßnahmen unter Kontrolle zu halten und damit ein exponentielles Wachstum der Infiziertenzahlen zu verhindern. Darauf setzt man auch bei den jüngsten Clustern im Tourismusbereich.

Frage: Wie viele Tests wurden bislang in St. Wolfgang durchgeführt?

Antwort: Gesamt sind nun in St. Wolfgang seit Mittwoch 1.183 Tests durchgeführt worden, davon waren 62 mit positivem Ergebnis. Das entspricht 5,2 Prozent der Getesteten. Unter den positiven Fällen befinden sich 56 Mitarbeiter, ein Gast eines Hauses im Ort und fünf Jugendliche aus der Umgebung. Mehr als 40 Erkrankte sind zwischen 15 und 20 Jahre alt.

Auch ein Soldat der Schwarzenbergkaserne in Salzburg ist unter den positiv Getesteten. Der Unteroffizier und Berufssoldat sei bereits am Wochenende von den Gesundheitsbehörden unter häusliche Quarantäne gestellt worden, gab ein Presseoffizier des Militärkommandos Salzburg bekannt. Weitere 14 Soldaten, mit denen der Soldat Kontakt hatte, wurden am Dienstag getestet, Ergebnisse werden für Mittwoch erwartet.

Frage: Vor allem international wird angesichts der Situation in St. Wolfgang ein Vergleich mit Ischgl gezogen. Zu Recht?

Antwort: Die Situationen sind nicht vergleichbar. Allein auf Grund der Besucherzahlen: Waren in Ischgl täglich rund 25.000 Touristen unterwegs, sind es in St. Wolfgang lediglich rund 1.000. Zudem zählt der Salzkammergut-Ort ohne klassische Nachtbetriebe auch nicht als Partyhotspot. Und in St. Wolfgang wurden die Behörden doch deutlich rascher aktiv als in Ischgl.

Frage: Wie wird die Abreise organisiert?

Antwort: Als eine der großen Lehren von Ischgl gilt, dass man eine unkoordinierte Abreise vermeiden muss, damit potenziell Infizierte nach der Heimkehr nicht unwissentlich das Virus weitergeben. Bis Montag gab es in St. Wolfgang keine koordinierte Abreise der Gäste. Tourismusverantwortliche sagten noch am Sonntag auf Nachfrage des STANDARD, dass Abreisen wie üblich "vonstattengingen". Seit Montag gilt eine Verordnung, die vorschreibt, dass alle Gäste, die in Beherbergungsbetrieben genächtigt haben, ihre Kontaktdaten bekannt geben müssen. Sie gilt bis 2. August. In dem Erhebungsblatt, das vor Ort in den Hotels verteilt wird, wird auch nach dem Zielort gefragt, falls dieser vom Wohnort abweicht. Mit Unterschrift bestätigen muss man außerdem, keine Covid-19-Symptome zu haben. Weiters muss man sich verpflichten, bei Auftreten von Symptomen Gesundheitsbehörden zu kontaktieren und "den Aufenthalt in Oberösterreich" zu nennen. Die Daten gehen vom Betrieb ausschließlich an die Gesundheitsbehörden, sagt eine Sprecherin von Landesrätin Christine Haberlander.

Frage: Bei dem Freikirchencluster in Oberösterreich vor einigen Wochen war es zu umfassenden Schulschließungen gekommen. Warum bleiben jetzt die Hotels in St. Wolfgang weiter offen?

Antwort: Wenn ein Cluster auftritt, werden immer auch potenzielle Infektionswege mitevaluiert. In Freikirchen treffen sich Menschen aus den unterschiedlichen Alters- und Gesellschaftsgruppen, eine umfassende Testung ist schwieriger als in St. Wolfgang, wo die Situation viel übersichtlicher ist. "Nachdem sämtliche Hotelangestellten und Gäste getestet waren und in diesem Bereich sehr wenige Infektionen festgestellt wurden, wäre eine Schließung der Betriebe nicht verhältnismäßig gewesen", sagt die Infektionsepidemiologin Daniela Schmid von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). Man plane dieses Konzept der umfassenden Testungen im Herbst auch auf Schulen auszuweiten. Entscheidend sei, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober, dass das Kontaktmanagement in St. Wolfgang funktioniert habe.

Frage: Was geschieht in den Salzburger Wolfgangsee-Gemeinden?

Antwort: In der Nacht auf Dienstag ist in den Gemeinden St. Gilgen und Strobl am Wolfgangsee die Maskenpflicht für Tourismusmitarbeiter, die Gästekontakt haben, wieder eingeführt worden. Am Dienstag hat Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) veranlasst, dass alle Tourismuspraktikanten in den Gemeinden getestet werden. Die Landessanitätsdirektion hat am Montag die Betriebe kontaktiert, mit der Bitte die betroffenen Mitarbeiter zu melden. Rund 50 Personen sollen sich für die Tests gemeldet haben.

Frage: In der Steiermark gibt es auch einen neuen Cluster. Wie entstand dieser? Und wer ist in der Tourismusgemeinde Wald am Schoberpass betroffen?

Antwort: Bisher sind elf Personen positiv getestet worden, zwei davon, eine 99 Jahre alte Frau und ihr Sohn, sind stationär in Behandlung. Zwei Gäste aus der Gruppe, die in Salzburg leben und sich hier aufgehalten hatten, sind ebenfalls positiv getestet worden. In Summe befinden sich 44 Personen, die mit den Infizierten Kontakt hatten, in Quarantäne. Der überwiegende Teil der Infizierten stammt aus dem obersteirischen 500-Einwohner-Ort im Bezirk Leoben. Nach Angaben des Bürgermeisters Hans Schrabacher könnte das Virus durch eine Gastfamilie aus Wien, die "schon fast Einheimische sind" (Schrabacher), eingeschleppt worden sein.

Frage: Warum sind Jugendherbergen nicht im ministeriellen Corona-Testprogramm für Tourismusbetriebe?

Antwort: Im Büro der zuständigen Ministerin Elisabeth Köstiger wird bestätigt, dass nur gewerbliche Betriebe am Testprogramm des Tourismusministeriums teilnehmen dürfen. Das sei in einer Richtlinie des Ministeriums festgelegt worden. Da aber der überwiegende Teil der Jugendherbergen, so auch das Jugendgästehaus St. Gilgen am Wolfgangsee, nicht gewerblich organisiert und sie daher auch nicht Mitglieder der Wirtschaftskammer seien, werden sie nicht in das Testprogramm aufgenommen.

Frage: Warum gehen die Bundesländer unterschiedlich mit den Clustern um?

Antwort: Lokale Ausbrüche von Corona-Infektionen werden auf Bezirksebene gemanagt. Die Maßnahmen werden von den Amtsärzten vor Ort getroffen, weil sie die Situationen am besten einschätzen können. Jeder Cluster hat andere Besonderheiten, die nur so berücksichtigt werden können. Die Einführung des Ampelsystems als ein Tool soll lokalen Behörden als Orientierung dienen.

Frage: Was passiert, nachdem ein Cluster entdeckt wurde?

Antwort: Im Zuge eines Contact Tracings gilt es, jene Menschen zu finden, die einen asyomptomatischen Verlauf durchmachen und damit unwissentlich andere anstecken. Bei einem positiv Getesteten wird immer die Gemeinde verständigt, in der der Hauptwohnsitz des Infizierten ist. Es heißt nicht, dass er dort auch physisch anwesend ist. Wer als positiv Getesteter ohne Symptome einem Mund-Nasen-Schutz trägt, Abstandsregeln einhält sich an die Hygiene-Vorschriften hält, kann die Heimreise antreten. Wo keine Tröpfchen von Mensch zu Mensch springen, findet auch keine Infektion statt. (Vanessa Gaigg, Walter Müller, Karin Pollak, Markus Rohrhofer, Stefanie Ruep, 28.7.2020)