Foto: REUTERS/Carlos Garcia Rawlins

Pro
von Ronald Pohl

Noch vor wenigen Monaten hinterließ unsereiner ökologische Fußabdrücke, groß wie Rübezahl. Für ein Sweatshirt von Raf Simons nach Antwerpen fliegen? Man gönnte sich ja sonst nichts.

Ein FA-Cup-Spiel von Newcastle besuchen? Die Aussicht, an der Rose von Northumberland schnuppern zu dürfen, rechtfertigte die Plünderung von Düsentreibstofflagern, so groß wie das nördliche Burgenland.

Heute, eine Pandemie später, macht die Inanspruchnahme eines Flugzeugs schon wieder schamesrot. Man blickt sich verlegen um. Wo sitzen die Flug-Schnarcher, die ihr Rachenzäpfchen schamlos zum Vibrieren bringen? Wo die Plaudertaschen aus Lissabon, die ihre Nebenleute unter einem Wust von Zischlauten begraben?

Jedes Köpfchen birgt Tröpfchen. Auf meiner ersten Flugreise seit langem murmelte ich meine Wünsche schüchtern in den Mund-Nasen-Schutz. Ich bekam auch wirklich eine Erfrischung ausgehändigt. Die Flugbegleiterin brachte mich nicht zur Anzeige.

Kontra
von Mia Eidlhuber

Eine kleine Schnurre, bevor ich zum Punkt komme. Lange bevor der Klimawandel und Corona groß in den Nachrichten vorkamen, war ich schon Journalistin und für ebenjenes Magazin, für das ich jetzt diesen Kontrapunkt setze, unterwegs: in Richtung Kapstadt, Südafrika, auf Einladung eines Handyherstellers, im Flieger, ja, ich geb’s zu: Business-Klasse! So war das damals.

Wie zur Strafe für so viele Annehmlichkeiten kam es zu folgender Situation. Ich lag (ja, die Sitze wurden fast zu Betten) neben einem älteren Herrn aus Deutschland, meinem "Business-Class-Partner", und war ganz sicher, ich werde sterben.

Nein, nicht weil der seelenruhig schlafende und schnarchende Mann einen so heftigen Mundgeruch hatte, sondern weil wir beim Flug über den Äquator in heftige Turbulenzen gerieten.

Eine Maske wäre damals nur teilweise hilfreich gewesen. Und heute? Ich trage keine! Wie auch? Ich fliege einfach nicht mehr. Aber nicht bloß wegen mitfliegenden Mundgeruchs. (RONDO, 13.8.2020)