Fußballfreund Viktor Orbán hat in Lőrinc Mészáros (rechts) stets einen aufmerksamen Zuhörer.

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In Mattersburg und um Mattersburg herum brodelt und dampft es. Die Luft in der Gerüchteküche ist zum Schneiden. Das liegt auch daran, dass Hans Georg Deischler die SVM-Tradition hochhält und verschlossen ist wie eine Auster. Deischler war zweiter Vizeobmann des Fußballvereins. Nach den Rücktritten des anderweitig beschäftigten Martin Pucher und dessen Stellvertreters, des Bauunternehmers Richard Woschitz, hat Deischler nun eh alle Hände voll zu tun mit dem Zusammenräumen.

Also wird in der Gerüchteküche ein Gericht komponiert. Die erste Zutat sorgte gleich einmal für hörbares Zungenschnalzen: Nedeljko Malić. Der 32-jährige Verteidiger, ein SVM-Urgestein, gab im letzten Saisonspiel gegen die Wiener Austria seinen Abschied. Mit 17 kam er einst aus Banja Luka nach Mattersburg. Er sprach kein Wort Deutsch. Mittlerweile ist Malić FH-Diplomingenieur, dissertiert an der Boku über Energie- und Umweltfragen.

Sein Schwiegervater ist ein Player in der bosnischen Energiewirtschaft. Die Wien Energie ist auch in Bosnien engagiert. Einer in der Gerüchteküche munkelt, dass die Fachhochschule in Pinkafeld gerade in Energieangelegenheiten einen internationalen Ruf hat. Angeblich hat auch der Sohn eines russischen Oligarchen hier studiert. Mit Malić.

Gerücht: ein echter Multi

Eine weitere Zutat trägt den Namen Chien Lee. Der chinesisch-amerikanische Investor hat sich schwer engagiert im europäischen Fußball. Ihm gehören der FC Thun, der FC Ostende, der FC Nizza. Und der FC Barnsley. Dort spielt, unter Trainer Gerhard Struber, immerhin der Eisenstädter Patrick Schmid.

Die Verbindung ins Burgenland wäre da. Und der SVM könnte durchaus ins Portfolio von Chien Lee passen. Zumal ja der Verein etwas zu bieten hätte: einen Startplatz in einer höchsten europäischen Liga. Und eine wohlbestallte Akademie.

Letzteres – diese Zutat hat die Schärfe von Paprika – sei auch der Grund für ein weiteres Interesse. Die Köche kosten noch: Ein gewisser Lőrinc Mészáros habe angeklopft. Das ist, jedenfalls in Finanzdingen, die linke und die rechte Hand des Victor Orbán. Oder die Tasche, in die der ungarische Premier seine Hände nach Belieben stecken kann.

Der Medientycoon und Oligarch war bis vor zwei Jahren nebenbei Bürgermeister von Orbáns Heimatgemeinde Felcsút. Dort errichtete er nicht nur ein überdimensioniertes Stadion, sondern auch die Ferenc-Puskás-Akademie. Und eine Liliputbahn. Mattersburg – Nagymarton in den früheren, ungarischen Tagen – würde da ganz gut dazupassen.

Die Bedingung der Ungarn wäre freilich, gibt einer der Köche zu bedenken, die Mehrheit an der Akademie. Doch die hält das Burgenland. Und ob Hans Peter Doskozil, der Landeshauptmann – an sich ja einer, den die Nachred’ nur mäßig kümmert – zustimmen kann, dass Orbán sich im burgenländischen Fußball umtut, ist doch sehr fraglich.

Gerücht: Besuch bei Doskozil

Wobei: Schon am Mittwoch, auch das erzählt man sich im Landhaus und ums Landhaus herum, sollen die Ungarn den Landeshauptmann besucht und mit ihm einiges, wenn nicht alles besprochen haben. Aus dem Büro von Doskozil kam auf APA-Anfrage umgehend ein Dementi. Den Termin habe es nicht gegeben.

Just an dem Tag, da der Senat 5 der Bundesliga die Einleitung eines Verfahrens gegen den SV Mattersburg beschloss. Die Burgenländer müssen im Rahmen einer Stellungnahme nachweisen, dass die für den Erhalt der Lizenz notwendigen Kriterien erfüllt sind. Nächsten Mittwoch steigt die Mitgliederversammlung des SV Mattersburg.

Malić: "Genug Interessenten"

Laut SVM-Vertreter Malić gibt es "genug Interessenten, nicht nur ein oder zwei", die einen Einstieg als Investor oder als Sponsor überlegen würden. "Leider gibt es in den Medien auch viele Gerüchte derzeit", sagte Malic weiter. "Dadurch werden die seriösen Gespräche, die stattfinden, beeinflusst." Man müsse abwarten. "Jetzt in der Situation muss man ruhig bleiben." Es sei jedenfalls "noch nichts unterzeichnet".

Zirngast hält Investor für unumgänglich

Für Gernot Zirngast, den Vorsitzenden der "Vereinigung der Fußballer" (VdF), wird es "ohne Investor nicht gehen". Er sieht auch Potential: "Es ist der einzige Bundesliga-Club im Burgenland, es gibt weit und breit keine Konkurrenz. Außerdem gibt es eine Akademie", sagte Zirngast, der vor allem in Hinblick auf den Nachwuchs die Landesregierung um Doskozil in der Verantwortung sieht. "Wenn es vernünftige Gespräche gibt und das Land und Investoren zusammenfinden, dann passt es." (Wolfgang Weisgram, APA, 30.7.2020)