OMV-Generaldirektor Rainer Seele schaut weiter auf die Kosten, beobachtet aber zugleich eine wieder steigende Nachfrage nach Rohölprodukten.

Foto: reuters/föger

Die Zahlen, die der Öl-, Gas- und Petrochemiekonzern OMV am Mittwoch vorgelegt hat, waren angesichts Corona absehbar. Kaum Flugbenzinverkäufe, stark gesunkene Treibstoffnachfrage, im Keller grundelnde Öl- und Gaspreise: Dieser Mix plus der Ausfall der Produktion in Libyen haben dazu geführt, dass Österreichs größter Konzern im ersten Halbjahr gut eine Milliarde an Ertrag eingebüßt hat. Wo 2019 noch ein Periodengewinn von 1,154 Milliarden Euro stand, steht heuer ein Minus von elf Millionen (siehe Grafik).

Die in Kraft befindlichen Kostensenkungsprogramme werden denn auch fortgeführt, nicht unbedingt erforderliche Investitionen verschoben. Statt bei deutlich über zwei Milliarden wird die Grenze für organische Investitionen heuer bei 1,7 Milliarden Euro eingezogen. Davon ausgenommen sind eventuelle Zukäufe, wobei der Tenor im Moment mehr auf Verkäufen liegt.

Devestitionsprogramm

Zwei Milliarden Euro will die OMV, wie berichtet, bis 2021 durch Devestitionen einnehmen. An dieser vor Corona verkündeten Absicht ändere sich mit Corona nichts, sagte OMV-Generaldirektor Rainer Seele bei der Präsentation der Halbjahresbilanz via Videostream am Mittwoch. Zwei Verkäufe wurden bereits in die Wege geleitet und sollen heuer zu einem Abschluss kommen. Zum einen geht es um das Tankstellennetz in Deutschland, für das sich 40 Interessenten gemeldet hätten. Für die Vielversprechendsten darunter, die man auf eine Short List gestellt habe, sei vor kurzem der Datenraum geöffnet worden.

Zum anderen geht es um den Verkauf des 51-Prozent-OMV-Anteils am Gasnetzbetreiber Gas Connect Austria (GCA), für den der Verbund aufgezeigt hat und mit dem auch exklusiv verhandelt wird. 49 Prozent hält ein Konsortium um den deutschen Versicherer Allianz und die italienische Gasgesellschaft Snam. Sobald beide Deals über die Bühne gegangen seien, werde man im Vorstand über weitere Verkäufe beraten, sagte Seele.

Unveränderte Dividende

Einmal mehr betonte das Management den Vorteil, der sich aus der Tatsache ergebe, dass die OMV ein integrierter Konzern ist, der von der Erdölproduktion über die Verarbeitung in Raffinerie und Petrochemie bis zum Verkauf an der Tankstelle alles aus einer Hand stemmen könne. Hohe Verluste im Upstream-Geschäft aufgrund rapid gesunkener Öl- und Gaspreise hätten durch eine bessere Performance im Downstream-Segment, also im Produktverkauf, abgefedert werden können. Statt Flugbenzin zu erzeugen sei es möglich gewesen, auf mehr Petrochemie zu switchen.

Aktuell spüre man eine Erholung am Markt, was zuversichtlich stimme, sagte Seele. Die OMV, die die Dividende unverändert bei 1,75 Euro je Aktie belässt, will grüner werden und in ihren Anlagen mit Zwischenschritten bis 2050 klimaneutral sein.

(Günther Strobl, 30.7.2020)