Eine Turbine im Verbund-Kraftwerk Limberg bei Kyprun: Die Wasserführung war heuer im Frühjahr alles andere als berühmt.

Foto: reuters/föger

Mit einem Rückgang von 8,2 Prozent auf 310,4 Millionen Euro hat die Corona-Pandemie zwar auch beim Konzernergebnis des Verbund Spuren hinterlassen, aber bei weitem nicht so tiefe wie bei anderen Unternehmen. Mit eine Rolle gespielt hat dabei der Umstand, dass Österreichs größter Stromproduzent geringere Einnahmen aus dem Stromverkauf teils durch Mehreinnahmen ausgleichen konnte, die auf Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes zurückzuführen sind.

An nicht weniger als 168 Tagen musste die Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG) allein im Zeitraum Jänner bis Juni eingreifen, damit das Stromnetz nicht wegen Über- oder Unterauslastung zusammenbricht. Diese sogenannten Redispatch-Maßnahmen werden gesondert abgegolten.

Stromnachfrage gesunken

Wegen des Lockdowns und der zeitweisen Produktionsunterbrechung in vielen Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie ist nicht nur die Stromnachfrage und infolgedessen auch der Stromverkauf in Österreich stark gesunken; auch die Stromerzeugung des Verbund ging zurück. Die Wasserführung lag in der Berichtsperiode um 16 Prozentpunkte unter Vorjahr und um fünf Prozentpunkte unter dem langjährigen Schnitt.

Die Stromversorgung in Österreich sei trotz der Herausforderungen mit Corona zu keiner Zeit gefährdet gewesen, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber bei der Vorlage der Halbjahreszahlen.

Ausreichend Geld für Investitionen

Finanzvorstand Peter Kollmann ergänzte, dass der Verbund auch über genügend finanzielle Mittel verfüge, um die geplanten Investitionen in neue Erzeugungskapazitäten zu stemmen, zumal die Nettoverschuldung neuerlich gesunken sei auf mittlerweile 2,129 nach 2,256 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2019. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet das Verbund-Management mit einem Konzernergebnis zwischen 510 und 570 Millionen Euro und einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 1,150 und 1,250 Milliarden Euro.

Innovationshub in Mellach

Mit Ende der Heizsaison zum 31. März wurde auch der vom Verbund vor längerem angekündigte Ausstieg aus der Kohle wahrgemacht. Am Standort des letzten verbliebenen Kohlekraftwerks Österreichs im steirischen Mellach, das zuletzt für die Fernwärmeversorgung der Stadt Graz herangezogen wurde, errichtet der Verbund einen Innovationshub. Eine Elektrolyse sei bereits in Erprobung, eine Teststation für ultraschnelles Batterieladen auch. Weitere Einrichtungen sollen folgen.

Einmal mehr urgierte Anzengruber den Beschluss des Erneuerbaren Ausbaugesetzes (EAG). Ohne zu wissen, ob sich eine Investition rechne, könne man nicht loslegen. Mit einem Börsenwert von knapp 16 Milliarden Euro ist der Verbund im Augenblick das mit Abstand wertvollste Unternehmen im Leitindex ATX.

(Günther Strobl, 31.7.2020)