Covid-19-Tests in Grenznähe sind für Gesundheitsminister Anschober (Grüne) "grundsätzlich gut". Ob diese nun direkt an der Grenze, oder 20 Kilometer dahinter stattfinden, ist für ihn aber nebensächlich.

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Mediziner Florian Thalhammer, namenloser Babyelefant, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Hygienikerin Miranda Suchomel (von links) forderten auch am Freitag zum Maskentragen und Abstandhalten auf.

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Wien – Ein Punkt war Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einer Pressekonferenz am Freitagvormittag in Wien besonders wichtig: Der Babyelefant wurde nicht gekillt, am allerwenigsten von ihm. Obgleich die verpflichtende Abstandsregelung im öffentlichen Raum aus dem Gesetz gestrichen wurde, sei die Distanz zu seinen Mitmenschen weiter ein wichtiger Beitrag, um sich vor einer Infektion mit Sars-CoV-2, dem Erreger von Covid-19, zu schützen. Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, platzierte Anschober eigenhändig ein Cartoon-Rüsseltier vor seinem Pult.

Die Gefahr sei nicht vorbei, appellierte der Gesundheitsminister: Weltweit gebe es derzeit zwischen 250.000 und 330.000 Neuinfektionen pro Tag, auch in Europa hätten Staaten wie Belgien, Spanien und Frankreich mit steigenden Zahlen zu kämpfen. In Österreich seien innerhalb von 24 Stunden 175 neue Fälle registriert worden, an der Spitze liegt Wien mit 78 positiven PCR-Tests sowie Oberösterreich mit 45 neuen Fällen.

"Intensive Information" von Einreisenden

Dem Vorstoß von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), der die Einführung von PCR-Tests an den Grenzen gefordert hat, steht Anschober nicht völlig negativ gegenüber. Allerdings setzt er auf Zeit: "Testangebote in Grenznähe sind zwar grundsätzlich gut", derzeit setze man aber auf die "intensive Information" von Einreisenden, wo sie sich testen lassen können. Ob das 20 Kilometer entfernt oder zwei Meter hinter der Grenze stattfinde, sei dabei nicht entscheidend.

Zusätzlich will die Regierung offenbar die Erfahrungen aus Deutschland abwarten, wo Urlaubsrückkehrer flächendeckend getestet werden sollen. Man müsse sich anschauen, ob das logistisch zu bewältigen sei, blieb Anschober vorsichtig. Derzeit werde in Österreich ohnehin so viel getestet wie noch nie, innerhalb von 24 Stunden gab es zuletzt 10.425 Untersuchungen.

Junge Menschen stellen die meisten Infizierten

Zwei Dinge schienen dem Politiker in diesem Zusammenhang bemerkenswert: 26 Prozent der Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen wird, hätten keine Krankheitssymptome. Und in den vergangenen sieben Tagen habe sich gezeigt, dass sich ein Trend verstärkt habe: Vor allem jüngere Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sind unter den Neuinfizierten, diese Altersgruppe macht rund 75 Prozent aller Fälle aus.

Für Florian Thalhammer, Infektiologe an der Med-Uni Wien, keine Überraschung. Er beobachtet, dass die Verwendung von Mund-Nasen-Schutzmasken "leider rückläufig" sei. Auch die Abstandsregeln würden, etwa am Wiener Donaukanal, immer wieder ignoriert. Auch Thalhammer wählt einen animalischen Vergleich, allerdings keinen Babyelefanten: Die Menschen würden wie die Sardinen im Öl liegen, ist er überzeugt. (Michael Möseneder, 31.7.2020)