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New York/Boston (Massachusetts) – Ein Bundesberufungsgericht in den USA hat das Todesurteil gegen den Attentäter vom Bostoner Marathonlauf, Dzhokhar Tsarnaev, aufgehoben. Das Gericht in der Ostküstenmetropole Boston schickte am Freitag den Fall an ein untergeordnetes Gericht zurück, um in einer weiteren Urteilsanhörung über ein neues Strafmaß zu entscheiden.

Selbst wenn die Aufhebung des Todesurteils nach erneuter Prüfung bestätigt werden sollte, würde Tsarnaev zumindest zu lebenslanger Haft verurteilt werden, erklärte das Berufungsgericht.

Auswahlverfahren der Jury fehlerhaft

Das Gericht hob nur den Teil des Urteils auf, der sich mit den Anklagepunkten der Todesstrafe befasst. "Dzhokhar Tsarnaev wird für den Rest seines Lebens im Gefängnis bleiben, es bleibt nur noch die Frage, ob die Regierung sein Leben durch seine Hinrichtung beenden wird", schrieben die drei Richter des Berufungsgerichts in dem am Freitag veröffentlichten Urteil.

Die Richter gaben der Verteidigung unter anderem in dem Punkt recht, dass das Auswahlverfahren der Jury fehlerhaft gewesen sei. So soll einer der Geschworenen Tsarnaev auf Twitter als "Abschaum" bezeichnet haben, wie der Anwalt des Verurteilten sagte.

Der heute 27-jährige Tsarnaev war Mitte Mai 2015 zum Tode verurteilt worden. Die Geschworenen befanden den jungen Mann für schuldig, gemeinsam mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan im Zielbereich des Boston-Marathons im April 2013 zwei selbstgebaute Sprengsätze zur Explosion gebracht zu haben. Drei Menschen wurden bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 getötet, mehrere der 264 Verletzten verloren Arme oder Beine. Während der mehrtägigen Flucht der beiden Attentäter kamen zudem ein Polizist und Tamerlan ums Leben, während Dzhokhar festgenommen werden konnte. (APA, 1.8.2020)