Daumen hoch: Bob Behnken (links) und Doug Hurley nach der Landung in Florida.
Foto: imago/UPI Photo

Nach zwei Monaten auf der Internationalen Raumstation (ISS) sind die Nasa-Astronauten Douglas Hurley (53) und Robert Behnken (49) an Bord des neuen Space-X-Raumschiffs Crew Dragon wohlbehalten auf die Erde zurückgekehrt. Sie landeten planmäßig um 20.48 Uhr (MESZ) vor der Küste Floridas nahe der Stadt Pensacola im Golf von Mexiko, wie die Nasa berichtete.

19-stündiger Rückflug

Der Crew Dragon dockte in der Nacht auf Sonntag von der ISS ab und erreichte nach knapp 19-stündiger Reise die Erdatmosphäre. Beim Eintritt in die Gashülle unseres Planeten war das Raumschiff Temperaturen von fast 2.000 Grad Celsius ausgesetzt. In einer Höhe von rund fünfeinhalb Kilometern öffneten sich dann planmäßig die ersten beiden Fallschirme, um die noch rund 560 km/h schnelle Raumkapsel weiter abzubremsen. Vier weitere Fallschirme wurden knapp zwei Kilometer über dem Meer aktiviert, um die Raumkapsel sicher auf die Oberfläche zu bringen.

Der Crew Dragon wenige Sekunden vor dem "Splashdown".
Foto: Nasa TV

Dort wartete bereits das Space-X-Bergungsschiff "Go Navigator" mit einem 40-köpfigen Team an Bord. Unmittelbar nach dem "Splashdown" im Golf von Mexiko erreichten zwei Schnellboote die Raumkapsel, um die Lage zu sondieren und die Bergung vorzubereiten.

Ganz problemlos war diese jedoch nicht, weil einige Schaulustige mit ihren Booten nahe an die Raumkapsel kamen, um dem Ereignis beizuwohnen. Die Küstenwache habe zwar zwei Stunden davor versucht, das Areal abzuriegeln, da dieses aber mehr als zwölf Meilen von der Küste entfernt ist, fehlte die rechtliche Grundlage dafür, wie "Futurezone" berichtet, was einige ausnutzten – und sich dabei selbst in Gefahr brachten. Denn sie setzten sich dem Distickstofftetroxid aus, das die Kapsel nach der Landung umgab.

Erst nachdem die Küstenwache die privaten Schiffe weggeschickt hatte, konnten die beiden Astronauten geborgen werden. "Wir fühlen uns gut", ließen die Raumfahrer noch während der Vorbereitungen zur Bergung wissen. In weiterer Folge wurde der Crew Dragon auf das Bergungsschiff gehievt, wo um 21.59 Uhr die Luke geöffnet wurde. Nach einem ersten medizinischen Check konnten Behnken und Hurley das Raumschiff schließlich verlassen.

Historische Testmission

Die beiden Astronauten waren Ende Mai vom Kennedy Space Center in Florida als erste Passagiere des privaten Unternehmens Space X abgehoben. Ihre Aufgabe war es, das Space-X-Transportsystem zu testen, das bald schon als reguläres Taxi zur ISS dienen soll. Der nun abgeschlossene bemannte Testflug ist der bisher größte Erfolg für Space X.

Auch für die Nasa ist die Mission von großer Bedeutung. Nach vollständiger Auswertung aller Daten des Testflugs soll das Raumschiff in den kommenden Wochen zertifiziert werden, die erste reguläre Mission des Crew Dragon dürfte voraussichtlich Ende September starten. Dann sollen vier Astronauten, darunter ein Japaner, zur ISS fliegen.

Seit dem Ende des Spaceshuttle-Programms 2011 waren von den USA aus keine Astronauten mehr ins All gestartet. Seither waren die USA auf Russland angewiesen, um Astronauten zur ISS zu bringen. Die Abhängigkeit sorgte zunehmend politisch für Unmut, zudem hat die russische Raumfahrtagentur Roskosmos die Preise für Astronautentransporte immer weiter erhöht – rund 80 Millionen Euro kostet ein Platz in der russischen Sojus derzeit.

Die Raumkapsel mit den beiden Astronauten an Bord auf dem Bergungsschiff.
Foto: Reuters/Nasa

Private Ära

Anstatt aber selbst neue Raumtransporter zu entwickeln und zu betreiben, wurden US-Unternehmen mit Milliardenbeträgen dabei unterstützt, in das Geschäft einzusteigen. Space X erhielt für den Bau des Crew Dragon drei Milliarden Euro, der Konkurrent Boeing für seinen (noch nicht erfolgreich getesteten) Starliner sogar 4,5 Milliarden. Ein Space-X-Flug zur ISS soll künftig rund 55 Millionen Euro pro Astronaut kosten.

Auch europäische Astronauten werden schon bald mit Space X ins All fliegen. Wie die Europäische Weltraumorganisation vergangene Woche mitteilte, soll der Franzose Thomas Pesquet im Frühjahr 2021 als erster Esa-Astronaut mit dem Crew Dragon von Florida aus zur Internationalen Raumstation starten. (David Rennert, red, 3.8.2020)