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Wien – Österreichs Außenhandel ist wegen der Coronakrise auch im Mai massiv eingebrochen. Exporte und Importe waren laut Statistik Austria um rund ein Viertel niedriger als im Jahr davor. Betroffen waren so gut wie alle Produktgruppen. Die Exporte sanken um 25,5 Prozent auf 9,85 Milliarden Euro, die Importe um 24,8 Prozent auf 10,31 Milliarden Euro. Das Handelsbilanzdefizit lag bei 0,46 Milliarden Euro.

Trotzdem erholt sich Österreichs Konjunktur nach Einschätzung der Österreichischen Nationalbank (OeNB) rascher als erwartet. Sollte es zu keiner starken zweiten Covid-19-Infektionswelle kommen, könnte die heimische Wirtschaft daher 2020 mit minus 6 Prozent weniger stark einbrechen als noch bei der OeNB-Prognose Anfang Juni angenommen, erklärte die Notenbank am Freitag.

Abhängig von Handelspartnern

"Das Coronavirus zwingt Österreichs Außenhandel in die Knie. Österreichs drei wichtigste Exportpartnerländer verzeichneten Rückgänge, zum Teil deutlich über 20 Prozent", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Freitag in einer Pressemitteilung. Die Exporte nach Deutschland seien um 22 Prozent, jene nach Italien um 30 Prozent und jene in die Vereinigten Staaten sogar um 34 Prozent gesunken. "Österreichs wichtigste Produktgruppe hat am meisten mit dem Rückgang zu kämpfen: Bei den Maschinen und Fahrzeugen brachen die Exporte und Importe um gut ein Drittel ein", so Thomas.

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Maschinen und Fahrzeuge verzeichneten laut Statistik Austria die größten absoluten Einbrüche in beiden Verkehrsrichtungen, wobei die Einfuhren um 35,2 Prozent auf 3,34 Milliarden Euro fielen, die Ausfuhren um 33,8 Prozent auf 3,58 Milliarden Euro. Die Importe von Brennstoffe/Energien verringerten sich um mehr als die Hälfte (minus 51,9 Prozent auf 0,50 Milliarden Euro) und zeigten die zweithöchste absolute Abnahme.

Positive Indikatoren für Konjunktur

Positivere Nachrichten hat die Österreichische Nationalbank. Die Analyse der Echtzeitdaten der vergangenen beiden Wochen (von 20. Juli bis 2. August) zeige eine weitere konjunkturelle Erholung an. Der Stromverbrauch, ein verlässlicher Indikator für die Industrieproduktion, sei etwa im Juli 5 Prozent unter Vorjahr gewesen, nach einem noch doppelt so großen Minus in den Monaten April bis Juni. Zahlungsverkehrsdaten würden eine weitere leichte Verbesserung des Privatkonsums und im heimischen Tourismus signalisieren, so die OeNB weiter. Insgesamt sei die BIP-Lücke in den beiden vergangenen Wochen auf 4,0 bzw. 3,8 Prozent im Jahresabstand gesunken.

Nachdem das BIP zum Höhepunkt des Lockdown Ende März/Anfang April um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr eingebrochen war, hatte sich laut OeNB zum Ende des zweiten Quartals die BIP-Lücke auf 7 1/2 Prozent verringert. Mit einem Rückgang auf unter 5 Prozent war die BIP-Lücke aus Sicht der Notenbank-Ökonomen im Juli niedriger als erwartet. "Anstatt um 7,2 Prozent könnte das reale BIP 2020 somit 'nur' um etwa 6 Prozent schrumpfen", heißt es nun. Ob das so komme, würden die OeNB-BIP-Indikatoren der nächsten Wochen zeigen.

Das Risiko dieser Prognose bleibe aber "eindeutig nach unten gerichtet" – sollte es nämlich eine stärkere zweite Covid-19-Welle geben, werde die Rezession in Österreich stärker ausfallen als von der OeNB bei der Juni-Prognose erwartet. (APA, red, 7.8.2020)