Der US-Bann vs. Huawei zeigt Wirkung.

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

Der Handelsbann der US-Regierung gegen den chinesischen Hardwarehersteller Huawei mag mittlerweile mehr als ein Jahr alt sein. Eine entscheidende Verschärfung haben die USA aber erst Mitte Mai verkündet. Seitdem ist es auch Chipherstellern verboten, in irgendeiner Form mit Huawei zusammenzuarbeiten, sofern sie Software oder Technologie aus den USA benutzen. Und genau diese Maßnahme scheint nun Wirkung zu zeigen.

Das Ende des Kirin 990

Wie Huawei offiziell gegenüber der Nachrichtenagentur AP bestätigt, dürfte es schon bald keine neuen High-End-Smartphones mit aktuellen SoCs (System on a Chip) der Kirin-Reihe mehr geben. Der Grund dafür: Der taiwanesische Hardwarefertiger TSMC, der bisher von der Huawei-Tochter Hisilicon genutzt wurde, nimmt seit dem 15. Mai keinerlei Aufträge von dem chinesischen Unternehmen mehr an. Entsprechend werden nur mehr bestehende Abmachungen eingehalten, und auch deren Ende naht. Bereits am 15. September soll die Produktion des Kirin 990, des aktuell stärksten Chips von Hisilicon, gestoppt werden.

Was an dem Bericht etwas verwundert: Offenbar hat Huawei entgegen früheren Aussagen keine SoCs in relevantem Ausmaß vorproduziert. So betont denn auch Richard Yu, Chef der Mobilsparte des Unternehmens, dass man keinen relevanten Lagerbestand an Kirin 990 mehr habe. Yu stellt dabei überhaupt ein Ende der Produktion der Kirin-Chips – zumindest für den oberen Leistungsbereich – in den Raum: "Dieses Jahr könnte das letzte sein, in dem es High-End-Chips von Huawei geben wird", wird der Manager zitiert.

Diese Aussage wirft auch die Frage auf, mit welchem Prozessor das kommende Mate 40, das eigentlich bald vorgestellt werden sollte, ausgeliefert wird. Laut Yu soll hier noch einmal ein Kirin-Chip zum Einsatz kommen, ob hier einfach die letzte Charge des Kirin 990 zum Einsatz kommt oder ob man mit TSMC noch zeitgerecht einen Nachfolger produzieren konnte, ist unklar. Ein Rückgriff auf den Kirin 990 wäre jedenfalls ungewöhnlich, kam dieser doch schon beim direkten Vorgänger – dem Mate 30 – zum Einsatz. Egal welcher Chip hier dann zu finden ist, wenn es tatsächlich einer aus Huaweis eigener Chipentwicklung ist, könnte dies auch die verfügbaren Stückzahlen des Mate 40 deutlich einschränken.

Der Kern des Problems

Die Betonung auf den High-End-Bereich hat dabei einen guten Grund: Für diesen scheint Huawei nämlich ein echtes Problem zu haben, Alternativen zu finden, die keine US-Technologie verwenden. So kann etwa der chinesische Hersteller SMIC bisher lediglich Chips im 14-nm-Verfahren fertigen, während TSMC für den Kirin 990 ein 7-nm-Verfahren verwendet. Mit einem älteren Herstellungsverfahren ist es aber nicht möglich, einen konkurrenzfähigen SoC für das obere Preissegment herzustellen. Denkbar wäre allerdings, dass Huawei weiter Chips für niedrigere Preisregionen entwickelt, dazu äußert man sich derzeit aber nicht.

Qualcomm will wieder dürfen

Parallel dazu meldet sich auch ein anderes Unternehmen zur Causa zu Wort: Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" hat Qualcomm bei der US-Regierung eine Ausnahmegenehmigung beantragt, um Huawei mit den eigenen SoCs beliefern zu können. Die Argumentation: Die jetzige Form des Banns habe massiv negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Immerhin könne Huawei weiter problemlos bei anderen Herstellern wie Mediatek oder Samsung Chips zukaufen. Damit würden einer US-Firma wie Qualcomm Milliarden Dollar an Verkäufen entgehen. Qualcomm hatte bisher SoCs für viele Huawei-Smartphones in mittleren und unteren Preisregionen geliefert. Zudem warnt der Hardwarehersteller aber auch davor, dass der Bann paradoxerweise gerade im vieldiskutierten 5G-Markt zu Vorteilen für Nicht-US-Firmen führen könnte.

Ob das US-Handelsministerium auf dieses Ansuchen eingeht, ist allerdings unklar. Zwar hat man bisher in einzelnen Fällen tatsächlich Ausnahmegenehmigungen für Firmen wie Intel oder Micron erteilt – hier ging es aber vor allem um das weniger relevante Geschäft mit Laptops. Bei allem, was mit Smartphones zu tun hat, wurde hingegen eine harte Linie durchgezogen. So hat etwa auch Google schon vor langem eine solche Ausnahmegenehmigung beantragt, um weiter rund um Android mit Huawei kooperieren zu können – bislang ohne Erfolg. Insofern erscheint es unwahrscheinlich, dass man im Fall von Qualcomm nachgibt und so die Effektivität des eigenen Handelsbanns schwächt. (apo, 10.8.2020)