Ein Verbot von Wechat hätte vor allem für eine Firma äußerst unerfreuliche Konsequenzen: Apple.

Foto: Drew Angerer / Getty / AFP

Ob man alles, was US-Präsident Donald Trump den lieben Tag lang über so von sich gibt, komplett ernst nehmen kann, ist eine Frage, die selbst US-Politikexperten nicht eindeutig beantworten können. Das ändert aber nichts daran, dass allein seine Position dazu führt, dass jede noch so verworrene Aussage eine gewisse Wirkmächtigkeit hat. Also muss man sich derzeit auch ernsthaft mit einem vor wenigen Tagen angekündigten Verbot von Apps wie Tiktok und Wechat auseinandersetzen. Doch gerade beim zweiten Beispiel drängt sich schnell die Frage auf, ob jemand diese Pläne auch wirklich zu Ende gedacht hat.

Gefahr für Apple

Eine Blockade von Wechat hätte massiv negative Auswirkungen auf die Absätze von Apple, warnt der angesehene Apple-Analyste Ming-Chi Kuo. Und wenn Kuo von massiv spricht, dann meint er auch massiv: Seinen Schätzungen zufolge könnten die weltweiten iPhone-Verkäufe dadurch nämlich um 25 bis 30 Prozent zurückgehen. Jene von Airpods, iPads, Apple Watches und Macs würden in so einem Fall in einem Ausmaß von 15 bis 25 Prozent leiden, berichtet "Macrumours".

Dramatische Zahlen, die aber mit einem Blick auf den chinesischen Markt einfach zu erklären sind: Wechat ist dort die Plattform für praktisch alles, vom Messaging über Bezahlaufgaben bis hin zum Nachrichtenkonsum. Ohne Wechat ist ein Smartphone in China praktisch nicht verkaufbar. Doch die Software von Tencent hat auch über China hinaus Bedeutung, da sie eine zentrale Rolle darin spielt, chinesische Auswanderer mit ihrer Familie zu verbinden. Weltweit hat das in Europa weitgehend bedeutungslose Wechat somit 1,2 Milliarden Nutzer.

Zweite Option

Allerdings hat Kuo auch eine zweite, deutlich optimistischere Prognose zu bieten: Für den Fall, dass die US-Regeln lediglich die Entfernung aus dem US-App-Store erzwingen, geht Kuo "nur" von einem Rückgang der weltweiten iPhone-Verkäufe von drei bis sechs Prozent aus, während andere Produkte um drei Prozent leiden würden.

Trotzdem wäre selbst diese optimistische Variante noch immer ein schwerer Schlag für Apple. Zumal zu befürchten ist, dass der anhaltende Handelsstreit chinesische Kunden schon so immer stärker verunsichert und von Apple-Produkten wegtreibt. Der chinesische Markt macht 15 Prozent sämtlicher iPhone-Verkäufe weltweit aus.

Ausblick

Vieles wird also darauf ankommen, wie der für Mitte September angekündigte Bann schlussendlich umgesetzt wird. Dass die US-Regierung prinzipiell die Möglichkeit hat, weltweit in die Geschäfte von US-Konzernen – und vieler, die damit nur assoziiert sind – einzugreifen, hatte bereits das Beispiel Huawei gezeigt. Auch hier ist es Google global untersagt, mit Huawei zu kooperieren. (apo, 10.8.2020)