Der Mann hinter dem Crowdfunding-Konglomerat Rockets-Holding: Wolfgang Deutschmann.

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Das Geschäft laufe noch nicht wieder so wie vor Corona, aber es gehe merklich aufwärts. Der das sagt, ist 28 Jahre jung, gebürtiger Steirer, Multiunternehmer. Wolfgang Deutschmann hat unter anderem Rockets-Holding gegründet, unter deren Dach verschiedene Finanzierungsplattformen angesiedelt sind. Eines haben alle gemeinsam: Sie werden mittels Crowdfunding gespeist.

"In den ersten Monaten des Lockdowns haben einige angerufen, die noch im Vorjahr gesagt haben, eine Alternativfinanzierung kommt nicht infrage. Und dann ging es ihnen nicht schnell genug", sagte Deutschmann dem STANDARD. "Den Kapitalbedarf merkt man vor allem bei Unternehmen, die in Sachen Digitalisierung noch nicht so weit sind und draufkommen, dass sie breiter aufgestellt sein müssen." So gesehen habe Corona viele Defizite, die da waren, offengelegt.

Update der Systeme

Rockets-Holding selbst habe Glück im Unglück gehabt. Deutschmann: "Wir haben zwar die Coronakrise nicht gerochen, aber zwei Monate davor unsere Systeme einem Update unterzogen. So konnten wir unsere Meetings, die im Kalender eingebucht waren, eins zu eins wahrnehmen, ohne umplanen zu müssen. Zudem sind wir von Haus aus sehr IT- und technikaffin."

Mit den Crowdfunding-Plattformen adressiert Rockets-Holding im wesentlichen zwei Kundengruppen. Einmal sind es potenzielle Investoren, die ihr Geld in unterschiedliche Projekte stecken wollen. "Wir haben mit 250 Euro bewusst eine niedrige Schwelle gewählt; dennoch überlegen Investoren zweimal, ob und in was sie in Zeiten wie diesen ihr Kapital investieren sollen", sagt Deutschmann. Gegenüber dem ursprünglichen Wachstumsplan, der eine jährliche Steigerung des eingesammelten Geldes von 40 bis 60 Prozent vorsah, liege man etwa 15 bis 20 Prozent zurück.

Unternehmensfinanzierungen geschoben

Das zweite Kundensegment sind Unternehmen, die eine Finanzierung suchen, aus welchen Gründen immer aber nicht bei ihrer Hausbank vorstellig werden wollen. Die Planbarkeit sei mit dem Lockdown von heute auf morgen dahin gewesen. Deshalb habe man Unternehmensfinanzierungen, die bereits geplant waren, nach hinten verschoben. Eine der wenigen Ausnahmen sei der Immobilienbereich gewesen, der sich selbst inmitten von Corona noch vergleichsweise stabil entwickelt habe.

Obwohl seit Anfang August auch die Unternehmensfinanzierung wieder angesprungen ist, macht Deutschmann um Tourismusprojekte noch immer einen Bogen. Zu unsicher seien die Zukunftsaussichten dieses Sektors, um Kundengeld dorthin zu leiten.

Rockets-Holding beschäftigt mehr als 50 Mitarbeiter und hat Eigenangaben zufolge über 28.000 registrierte Investoren. Davon stammen etwa 80 Prozent aus Österreich, der Rest aus Deutschland. Nachhaltige Projekte machen etwa 30 Prozent des Finanzierungskuchens aus. (Günther Strobl, 12.8.2020)