Kurzarbeit, Jobverlust, Unsicherheit: Wegen der Corona-Krise werden Autokäufe verschoben, sie sind für Konsumenten nicht lebenswichtig, für die Autobauer allerdings schon.

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Wien – Die Bremsen blieben angezogen, langsam wird die Situation am Neuwagenmarkt dramatisch: Die Kfz-Neuzulassungen gingen im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,2 Prozent zurück. Der größte Brocken des Rückgangs spielte sich im Pkw-Segment ab, hier wurden um ein Fünftel weniger Neuwagen zugelassen. Wobei hier die Firmenzulassungen in den ersten sieben Monaten des Jahres gehörig ins Gewicht fallen. Die Neuzulassungen durch juristische Personen, Selbstständige, Ministerien, Unternehmen und Landwirtschaft brachen von Jänner bis Juni um 37 Prozent auf 85.378 Fahrzeuge ein.

Im Vergleichszeitraum des Vorjahres rangierten die Firmenneuzulassungen laut Auswertung der Statistik Austria noch bei 136.475 Fahrzeugen. Etwas moderater, nämlich um ein Viertel (auf 52.193), gingen die Neuanmeldungen von Privat-Pkws zurück. "Es sind viele kleine Bausteine, die zu diesem massiven Rückgang geführt haben", sagt der Sprecher des Verbands der Automobilimporteure in Österreich, Günther Kerle: die Corona-Pandemie, neue Abgasvorschriften und steuerliche Änderungen bei motorbezogener Versicherungssteuer und Kfz-Steuer. Die CO2-Komponente verschiebe Anschaffungen definitiv, sagt Kerle.

Keine Investitionsprämie für Autos

Der letzte Baustein sei am Montag hinzugekommen, denn nun ist klar, dass die Investitionsprämie für die Erneuerung der Fahrzeugflotten nicht gilt. Das sei insbesondere mit Blick auf die angestrebte Ökologisierung der Fuhrparks unverständlich, denn ein moderner Diesel sei aus Umweltsicht jedenfalls besser als ein Fahrzeug der Abgasklassen Euro-4 oder Euro-5, führen andere Branchenkenner ins Treffen. Durch diese Einschränkungen würden die Corona-bedingt für die Industrie bereits bedrohlich zurückgeschraubten Investitionen noch einmal gebremst, jetzt falle auch dieser Investitionsanreiz weg.

Auch der Obmann der Fahrzeughändler in der Wirtschaftskammer, Klaus Edelsbrunner, ist mit der Ausgestaltung von Investitionsprämie und degressiver steuerlicher Abschreibung ("degressive AfA") unzufrieden: "Die Investitionsprämie per se ist eine wichtige und richtige Konjunkturmaßnahme. Bloß: Für die Automobilwirtschaft stellt sie keine Unterstützung dar." Auch die degressive AfA gilt nur für Fahrzeuge mit einem Emissionswert von null.

E-Autos kommen kaum vom Fleck

"Es ist unverständlich, dass von den Förderungen nicht alle Kraftfahrzeuge mit modernen Antriebsarten profitieren", kritisiert der Geschäftsführer des Verbands der Automobilimporteure, Christian Pesau die Konstruktion der auf Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge beschränkten Kaufprämien. "Trotz großer Förderung kommen die E-Autos nicht vom Fleck." Die Statistik gibt ihm recht: In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres wurden mit 5869 Elektroautos gerade einmal um 254 mehr abgesetzt als im Vorjahreszeitraum.

Allein im Juli 2020 stieg die Zahl der E-Auto-Neuzulassungen (Pkw) um 353 auf 1064 Stück – das sind 4,3 Prozent. Von den im gleichen Zeitraum zugelassenen 2552 Benzin/Elektro-Hybridfahrzeugen waren nur 713 mit Plug-in, also zum Aufladen mit Kabel. Von 675 Diesel/Elektro-Hybrid waren nur 21 mit Plug-in, also E-Auto-förderwürdig.

Marktentwicklung grotesk

Insgesamt wurden im Juli 37.953 Kfz (exklusive Anhänger) neu zugelassen, davon 24.784 Pkws. Im Juli 2019 waren es mit 31.428 um 21 Prozent mehr gewesen. Ob und welchen Anteil die am 1. Oktober anstehende Neuausrichtung der motorbezogenen Versicherungssteuer an der Kaufzurückhaltung habe, sei nicht feststellbar, sagen die Importeure. Der Markt habe insgesamt groteske Züge, denn einerseits seien Lagerfahrzeuge sehr günstig zu haben, während es bei neuen, teureren Modellen teilweise lange Wartezeiten gebe.

VW führend beim Rückgang

Nach Automarken hat es VW am ärgsten erwischt, bei der Volkswagen-Kernmarke war das Minus im Juli mit 30 Prozent am ausgeprägtesten, während die Schwester Škoda den Absatz um acht Prozent gesteigert hat. Seat hingegen büßte um 9,1 Prozent ein. Ford (minus 10,9 Prozent) und BMW (minus 15 Prozent) stachen ebenfalls hervor, gefolgt von Audi mit minus 21,7 Prozent, während Konkurrent Mercedes um 4,5 Prozent zulegte. Von Jänner bis Juli brachen die Verkäufe von VW und Ford um je mehr als 38 Prozent ein. Um je ein Fünftel zurückgegangen sind die Neuzulassungen von Hyundai und Peugeot.

In Fahrt kam dagegen der chinesische Automarkt. Im Juli stieg der Absatz laut Herstellerverband CAAM um 16,4 Prozent auf 2,1 Millionen Fahrzeuge. Damit stiegen die Verkäufe auf dem weltgrößten Pkw-Markt den vierten Monat in Folge, er liegt seit Jahresbeginn aber noch 13 Prozent hinter dem Vorjahr. Ganz wettmachen werden die Chinesen den Rückgang nicht, aber auf zehn Prozent eingrenzen, erwartet der Verband – sofern es nicht zu einer zweiten Covid-Ansteckungswelle kommt. (Luise Ungerboeck, 11.8.2020)