DER STANDARD

Es ist der aktuelle Favorit unter den Impfstoffkandidaten gegen das neuartige Coronavirus: Eine Gruppe von Forschern der Oxford-Universität hat seit Jänner gemeinsam mit dem Pharmakonzern Astra Zeneca eine Impfung gegen Covid-19 entwickelt, die finale dritte Phase der klinischen Studien ist bereits angelaufen. Auch der US-Hersteller Moderna ist bereits mit einem Wirkstoff in der dritten Phase und testet sein Mittel an tausenden Menschen.

Ist das schon der ersehnte Durchbruch im Kampf gegen die Corona-Pandemie, wann kommt der Impfstoff nach Österreich, und wer wird als Erstes geimpft werden: Über diese Fragen diskutierte eine Expertenrunde bei "STANDARD mitreden".

Die Immunologin Ursula Wiedermann-Schmidt von der Med-Uni Wien sagt, dass sie Mitte 2021 mit der Verfügbarkeit erster Impfstoffe in Österreich rechnet – und zwar dann, wenn in der aktuellen Testphase alles glatt läuft. Daher gelte es, rasch, sofern genügend Daten aus den Testungen vorhanden sind, ein Impfkonzept für Österreich zu erstellen, das zunächst vor allem darauf abzielen sollte, Menschen zu schützen, die aus beruflichen oder Altersgründen einem hohen Risiko ausgesetzt sind.

Kinder: Bitte warten

Doch hier kommen schon die ersten Schwierigkeiten ins Spiel: Laut Wiedermann-Schmidt löst die Oxford-Impfung vor allem bei Jungen und gesunden Menschen eine starke Immunantwort aus. Bei älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen sei die Reaktion gering. Kinder wurden noch gar nicht getestet, sie werden überhaupt noch länger warten müssen, bis es eine Impfung für sie gibt.

Der ebenfalls an der Med-Uni Wien tätige Immunologe Rudolf Valenta erklärte, was ganz neu am Ansatz der Oxforder Forscher ist. Nach dem Blick auf die Daten der englischen Forscher sagt Valenta: Der Impfstoff löse eine Immunreaktion bei Menschen aus, "diese könnte aber stärker sein". Er sieht zudem noch keinen Grund für Euphorie: Auch nach Abschluss der klinischen Tests werde es wie bei jeder anderen Impfstoffentwicklung nur möglich sein zu sagen, ob der Mensch Antikörper gegen die Erkrankung entwickelt. Ob Menschen damit wirklich vor einer Corona-Erkrankung geschützt sind, werde sich erst mit der Zeit herausstellen.

"Immunantwort könnte stärker sein"

Hitzig diskutiert wurde unter anderem über den angeblichen russischen Impfstoff: Während Valenta den Ansatz der Russen vielversprechend findet und den Einsatz des Mittels bei besonders gefährdeten Gruppen, etwa Ärzten, für gerechtfertigt hält, sprach Wiedermann-Schmitt von einem nicht vertretbaren Tabubruch.

Sehen Sie in der Diskussion: warum die Präsidentin des österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller, Renée Gallo-Daniel, strikt gegen eine Impfpflicht ist und sagt, die Pharmafirmen werden mit der Entwicklung von Corona-Vakzinen nicht reich werden. Außerdem erklärt Wiedermann-Schmidt, wie viel Schutz wir von einer Corona-Impfung erwarten können und wie Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen in Testphasen bei der Impfstoffentwicklung einbezogen werden. Sehen Sie außerdem: warum sie ebenso wie Valenta überzeugt ist, dass die Corona-Impfung allein nicht ausreichen wird, um die alte Normalität wiederzubekommen. (red, 14.8.2020)