Im Saint-George-Krankenhaus in Beirut werden die letzten Vorbereitungen getroffen, um einen beschädigten Raum wieder benutzbar zu machen.

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Ein zerstörtes Gebäude in Beirut.

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Beirut – Die US-Bundespolizei FBI wird sich an den Ermittlungen zu der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut beteiligen. Dieser Schritt erfolge auf Wunsch der libanesischen Regierung, sagte der US-Spitzendiplomat David Hale am Donnerstag bei einem Besuch in Beirut laut der Nachrichtenagentur NNA.

Die Explosion in Beiruts Hafen soll durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat verursacht worden sein. Diese waren nach Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen dort gelagert worden. Die Ermittlungen zur Ursache der Katastrophe laufen noch. Bei der Explosion waren mindestens 171 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt worden, 300.000 wurden obdachlos.

Eine unabhängige Untersuchung, wie von US-Menschenrechtsexperten gefordert, hat der libanesische Präsident Michel Aoun bisher abgelehnt. Im Rahmen einer "unparteiischen, glaubwürdigen und unabhängigen Untersuchung" müsse geprüft werden, ob es ein "systematisches Versagen seitens der libanesischen Behörden und Institutionen beim Schutz von Menschenrechten" gegeben habe, forderten 38 UN-Experten zuletzt.

Auf Unterstützung angewiesen

Die humanitäre Situation im Libanon ist eineinhalb Wochen nach der Explosion verheerend. Hunderttausende sind in Beirut auf internationale Unterstützung angewiesen. Insgesamt seien nach Schätzungen 300.000 Menschen betroffen, berichteten Vertreter humanitärer UN-Organisationen am Freitag. 100.000 Beiruter seien arbeitslos geworden. Die Vereinten Nationen baten um weitere Spenden.

Die EU hat am Donnerstag erstmal mehr als 17 Tonnen Hilfsgüter in die libanesische Hauptstadt geflogen. Ein Transportflugzeug mit Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und weiteren Hilfsgütern landete am Donnerstagmorgen in der Stadt, teilte die EU-Kommission mit. Demnach soll das Material nicht nur im Zusammenhang mit der Explosion, sondern auch angesichts der Corona-Pandemie den Zugang der Menschen zu medizinischer Versorgung sichern.

Mosambik weist Verantwortung von sich

Die Regierung von Mosambik hat erstmals offiziell bestätigt, dass das Ammoniumnitrat ursprünglich auf dem Weg in ihr Land gewesen war. Ein Regierungssprecher wies nach einer Kabinettssitzung am Dienstagabend allerdings jegliche Verantwortung für die Explosionen zurück. Nicht das Ammoniumnitrat an sich sei das Problem, sondern die Lagerungsbedingungen und die Frage, warum das Material so lange im Hafen von Beirut gelagert gewesen war.

Wie die Firma Fábrica de Explosivos Moçambique (FEM) der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, hatte sie 2013 das Ammoniumnitrat aus Georgien bestellt, aber nie erhalten. Stattdessen war das Schiff mit der 2.750-Tonnen-Lieferung in Beirut beschlagnahmt worden. Aus Firmenkreisen hieß es, FEM habe nichts mit der Logistik zu tun gehabt und könne auch nicht erklären, warum die Ladung stecken blieb. Die Firma bekam stattdessen eine neue Lieferung mit einem anderen Schiff.

Herstellung von Düngemitteln

Ammoniumnitrat wird sowohl zur Herstellung von Düngemitteln als auch für Sprengstoffe benutzt und in Mosambik vor allem für den Bergbau eingesetzt. FEM ist laut eigenen Angaben in der Sprengstoffherstellung tätig. Die Lieferung war seit der Beschlagnahmung ungesichert im Hafen von Beirut gelagert worden.

Vergangene Woche noch hatten mosambikanische Behörden jegliche Kenntnis von dem beschlagnahmten Frachter Rhosus und dessen Lieferung bestritten. Regierungssprecher Filimao Suaze sagte nun, es sei nicht Sache mosambikanischer Unternehmen zu erklären, "warum das Schiff im Hafen von Beirut beschlagnahmt wurde und warum die Explosion stattfand". Suaze betonte, dass Mosambiks Häfen in den vergangenen fünf Jahren mindestens vier Millionen Tonnen Ammoniumnitrat abgefertigt hätten – ohne bekannte Unfälle. Er versicherte, dass in seinem Land "alles dafür getan wird, dass wir nicht solche Situationen wie in Beirut haben". (APA, dpa, 14.8.2020)