Es ist ein Trauerspiel, was sich derzeit wieder zwischen Griechenland und der Türkei abspielt. Statt das Meer gemeinsam für Handel, Tourismus und die friedliche Verwendung seiner Ressourcen zu nutzen, rühren beide die Kriegstrommel. Mögliche Gasvorkommen zwischen der türkischen Mittelmeerküste, Zypern und Rhodos führen beide Länder an den Rand eines Krieges, noch bevor man überhaupt weiß, ob es überhaupt wirklich Gas dort gibt.

Französische und griechische Militärschiffe im Mittelmeer.
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Athen wähnt sich nach dem UN-Seerechtsabkommen von 1982 im Recht, doch das Abkommen hat die Türkei, wie etliche andere Länder auch, nie unterzeichnet. Geht es nach der griechischen Definition, hat die Türkei trotz einer tausende Kilometer langen Küste an der Ägäis und im Mittelmeer nirgendwo Zugriff auf Ressourcen des Meeres, außer in einem schmalen Streifen zwischen Antalya und der syrischen Küste.

Ein Blick auf die Landkarte genügt, um jedem neutralen Beobachter zu zeigen, dass diese Position unrealistisch ist. Zumal Griechenland und Zypern ohne eine Kooperation mit der Türkei das Erdgas, so sie es denn fördern können, kaum zu bezahlbaren Preisen auf den europäischen Markt bringen können. Dennoch hält die Regierung Mitsotakis mit nationalistischem Tremolo an ihrer Position fest. Türkische Nationalisten freut das, sie sind schon lange der Meinung, man sollte den Streit mit Athen durch Waffengewalt erledigen. Sorgt die EU jetzt nicht für Vernunft, wird die Tragödie ihren Lauf nehmen. (Jürgen Gottschlich, 13.8.2020)