Lissabon – Lionel Messi zog sich seine Kapitänsbinde ab und blickte nach einem historischen Abend mit versteinerter Miene in den Nachthimmel über Lissabon. Am Freitag schoss der FC Bayern Barcelona mit einem 8:2 (4:1)-Sieg aus dem Finalturnier und wurde damit seiner Favoritenrolle mehr als gerecht. Nach einem Eigentor von David Alaba in der 7. Minute landete praktisch jeder Versuch der Deutschen im richtigen Tor.

Strahlend.
Foto: EPA/Fernandez

Thomas Müller (4., 31.), Ivan Perisic (21.) Serge Gnabry (27.), Joshua Kimmich (63.), Robert Lewandowski (82.) und Philippe Coutinho (85., 89.) ermöglichten den Bayern ihr erstes Champions-League-Halbfinale seit 2018. In der zweiten Hälfte verschönerte Luis Suarez (57.) das Resultat aus Barcelona-Sicht nur geringfügig. Zu mehr reichte es für den spanischen Vizemeister nicht mehr, Superstar Messi blieb im gesamten Match unter seinen Möglichkeiten.

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Gegner der Bayern am Mittwoch wird entweder Manchester City oder Olympique Lyon sein, die es am Samstagabend miteinander zu tun bekommen. Bei Barcelona dürften die Tage von Coach Quique Setien nach dieser Blamage wohl bald gezählt sein.

Bayern-Trainer Hansi Flick setzte vor leeren Tribünen im Estadio da Luz auf die zuletzt gegen Chelsea siegreiche Elf, das heißt mit Alaba als zentralem Abwehr-Organisator. Bei Barcelona saß Weltmeister Antoine Griezmann zu Beginn nur auf der Bank, Messi und Suarez starteten ganz vorne. Statt einer Dreierreihe im Angriff hatten die Katalanen so vier Mann im Mittelfeld, erst mit dem Wiederbeginn wurde Griezmann eingetauscht.

Alabas Dämpfer

In einer von Anfang an lebendigen Partie gehörte die erste Chance Barcelona, da Suarez Manuel Neuer prüfte. Doch schon nach 180 Sekunden zappelte der Ball im Netz von dessen DFB-Torhüter-Konkurrenten Marc-Andre ter Stegen. Perisic flankte von links auf Müller, der etwas außerhalb des Strafraums postiert war. Das Bayern-Urgestein spielte sofort volley auf Lewandowski weiter, der wieder für Müller abtropfen ließ – der ließ sich dann die Chance aus etwa 13 Metern nicht nehmen. Müller ist seit Freitag mit 113 Einsätzen übrigens alleiniger deutscher Rekordspieler in der Champions League.

Nicht strahlend.
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Die Antwort von Barcelona kam prompt durch einen weiten Ball über die linke Angriffsseite, wo Jordi Alba Kimmich enteilte. Alaba rutschte in sein Zuspiel, was den Ball in einer unglücklichen Flugkurve über Neuer ins Tor segeln ließ. Seit einem kuriosen Eigentor in einem Test mit dem ÖFB-Team im Mai 2016 gegen Malta hatte der Wiener nicht mehr ungewollt in den eigenen Kasten getroffen. Damals hatte es sich nach eigenen Angaben um sein erstes Eigentor gehandelt. Abgesehen von seinem Fauxpas bot der in einem Vertragspoker steckende Alaba aber erneut eine grundsolide Vorstellung.

Kurz oben

Mit Chancen von Suarez (10.) und Messi (11./Stange) hatte der spanische Vizemeister dann aber nur kurz Oberwasser. Denn defensiv standen die Blau-Roten oft viel zu weit weg von den Gegenspielern, in den Zweikämpfen schwächelten sie eklatant. Somit folgte eine Demontage durch vorne eiskalte Bayern.

Nach einem Ballverlust im Mittelfeld und dem Pass vom agilen Gnabry traf erst Perisic mit links aus spitzem Winkel ins lange Eck. Einer ansatzlosen Vorlage von Leon Goretzka folgte ebenso trocken das 3:1 durch Gnabry selbst. Kimmich fand kurz darauf Müller am Fünfer-Eck, der zum Doppelpack abstaubte. Nach einem furiosen Solo fand Alphonso Davies Kimmich in der Mitte, das war dann die Entscheidung. Goalgetter Lewandowski gelang per Kopf auch noch sein Tor, der eingewechselte Coutinho finalisierte schließlich mit zwei Treffern. (APA, 14.8.2020)

Ergebnis des Finalturniers der Fußball-Champions-League in Lissabon vom Freitag – Viertelfinale:

FC Barcelona – FC Bayern München 2:8 (1:4). Estadio da Luz.
Tore: Alaba (7./Eigentor), Suarez (57.) bzw. Müller (4., 31.), Perisic (21.) Gnabry (27.), Kimmich (63.), Lewandowski (82.), Coutinho (85., 89.). Anm.: Alaba spielte bei Bayern durch