Österreich sei mit Teststraßen gut ausgestattet, so Anschober.

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Die Reisebedingungen werden weiter verschärft. Am Dienstagnachmittag – nach Beratungen der Bundesregierung – traten Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) vor die Presse und verkündeten, was zuvor bereits gemunkelt wurde: Für die Balearischen Inseln gilt ab Montag eine Reisewarnung.

Das Prozedere, das damit einhergeht, ist ein ähnliches wie bei der jüngsten Reisewarnung für Personen, die aus Kroatien nach Österreich kommen: Bis zum Inkrafttreten gilt eine Übergangsphase, ab dann muss bei der Einreise entweder ein Test vorgelegt oder innerhalb von 48 Stunden danach gemacht werden. Bis zum Test sei eine Quarantäne verpflichtend, so Kurz.*

Gratistests am Flughafen

Reisende, die noch vor Montag zurückkehren, sollen die Möglichkeit bekommen, sich gratis testen zu lassen. Schon bei den Kroatien-Rückkehrern war das der Fall, die konnten in Teststraßen, die über die Gesundheitshotline 1450 organisiert wurden, einen PCR-Test absolvieren. Nun, bei den

ORF

von den Balearen, soll es direkt am Flughafen kostenlose Tests geben.


Der Andrang bei den Teststraßen in Wien, wo Menschen, die in Kroatien waren, hinkommen konnten, war enorm: Allein am Montag wurden 1.400 Personen getestet. Insgesamt, so Anschober, hätten sich in ganz Österreich 7.000 Menschen für einen Gratistest angemeldet. Er betonte allerdings, dass wohl weniger Personen auf den Balearen gewesen seien als in Kroatien. Genaue Zahlen konnten die Redner auf Nachfrage nicht nennen.

Spanien an sich galt schon bisher als Risikogebiet, allerdings waren die Balearischen Inseln und die Kanaren ausgenommen. Die Kanaren sind von den neuen Reisewarnungen weiterhin nicht betroffen. All dies gilt für EU- beziehungsweise EWR-Bürger, Schweizer, Briten sowie Personen mit Wohnsitz oder Aufenthaltsberechtigung in Österreich. Für Drittstaatsangehörige gilt weiterhin: Wenn sie aus einem EU- oder Schengen-Staat einreisen, brauchen sie einen maximal drei Tage alten negativen Test und müssen zusätzlich zehn Tage in Quarantäne.

Noch keine Zahlen bekannt

Grund für die Reisewarnungen, so die Regierung, sei, dass man in Österreich vermehrt auf Infektionen bei Reiserückkehrern stoßen würde. Und der Ballermann sei nun einmal "der beste Freund des Coronavirus", so Anschober.

Genaue Zahlen von infizierten Personen auf den Balearen wurden nicht genannt, bei den Rückkehrern aus Kroatien seien allerdings 262 Fälle entdeckt worden, hieß es von Anschober. Zum Vergleich: In den letzten 24 Stunden wurden laut Anschober insgesamt 286 Neuinfektionen registriert. Jene, die mit dem Coronavirus aus Kroatien zurückkehrten, seien deutlich jünger als die meisten Infizierten, laut dem Gesundheitsminister liegt deren Alter im Schnitt bei 23,5 Jahren. Zwei Drittel von ihnen seien außerdem männlich. Auch insgesamt gehe das Alter der Betroffenen zurück.

Schon in den vergangenen Tagen äußerte sich auch der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) mehrfach zur Thematik. Aus seinem Büro hieß es zuletzt, zumindest in Wien seien nicht nur Rückkehrer aus dem Ausland für die steigenden Zahlen verantwortlich. Die Anzahl der Fälle in Verbindung mit anderen österreichischen Bundesländern sei in etwa gleich hoch wie jene der aus Serbien oder Nordmazedonien – diese Länder galten allerdings schon bisher als Risikoländer.

Grenzeinsatz wird verstärkt

Außerdem sollen die Kontrollen an der österreichischen Grenze intensiviert werden. Bisher, so Kurz, habe es Stichprobenkontrollen gegeben, nun wolle man um 500 Polizeibeamte und 800 Soldaten aufstocken.

Bis Dienstag, so erläuterte Nehammer, habe man im Zusammenhang mit der Pandemie schon eine Million polizeiliche Kontrollen an der Grenze durchgeführt, 900.000 davon in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden. Allein am Montag sei an der Grenze 800-mal Quarantäne verordnet worden, aktuell seien über 20.000 Menschen in Quarantäne.

Anschober für Van der Bellen als Präsident

Nach den jüngsten Spekulationen rund um eine Bundespräsidentschaftskandidatur von Anschober – Ex-FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer hatte die ins Treffen geführt – wurde Anschober bei der Pressekonferenz auch mehrfach darauf angesprochen. Er reagierte recht reserviert: Er würde sich "extrem freuen", wenn Alexander Van der Bellen wieder kandidieren würde, sagte er, betonte aber, er habe derzeit andere Sorgen, als sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

"Ich bewundere Menschen, die so viel Zeit haben, dass sie sich derzeit keine anderen Gedanken machen müssen wie diese." Es sei Hofer der Versuch gegönnt, mit dieser Diskussion in den politischen Diskurs einzutreten: "Ich habe kein Interesse daran." (Gabriele Scherndl, 18.8.2020)