Roboter können längst mehr als stumpfe Fließbandarbeit, beispielsweise schweißen. Das bringt Arbeitsplätze unter Druck.

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Joberhalt statt Lohnerhöhung – das könnte das Motto der ab 24. September anstehenden Metallerherbstlohnrunde werden. Wobei, fix ist in Corona-Zeiten nicht einmal der Zeitpunkt der traditionellen Forderungsübergabe. Der Termin sei noch in Abstimmung, lässt der mit 136.000 Beschäftigten und einer abgesetzten Produktion von rund 40 Milliarden Euro mit Abstand größte Fachverband der Metallbranche in Österreich, die Metalltechnische Industrie (FMTI), wissen.

Maschinenbau unter Druck

Fix scheint einzig die Flaute in den Auftragsbüchern, die insbesondere bei den Maschinenbauunternehmen herrscht. Sie scheint es schlimmer erwischt zu haben als die Metallverarbeiter – und die Gesamtindustrie, in der Wirtschaftsforscher und Unternehmenslenker bereits einen leichten Aufschwung erkennen wollen. 50 Prozent der Maschinenbauer hingegen berichten von "nicht ausreichenden" Auftragsbeständen, heißt es im jüngsten Branchenausblick der FMTI vom August. Wurden während der Covid-19-Krise bestehende Aufträge abgearbeitet, also Maschinen, Anlagen und Waren hergestellt und ausgeliefert, so kommen neue Aufträge jetzt – auch aufgrund der schwachen Nachfrage in der Automobilindustrie – nur schleppend herein.

Exporte weggebrochen

52 Prozent der Unternehmen berichteten im Juli noch immer von sinkender Produktion gegenüber dem zweiten Quartal; nur elf Prozent meldeten einen Anstieg. Mit dem nach dem Lockdown erhofften steilen Aufschwung ist es also ebenso Essig wie mit Preissteigerungen aufgrund einer steigenden Nachfrage.

Der Einbruch auf den wichtigsten Exportmärkten war beträchtlich: Die Ausfuhren nach China und in die USA gingen allein bis Ende März um jeweils fast 13 zurück, jene nach Frankreich schmierten um fast 15 Prozent ab. Dagegen scheint der Rückgang bei Deutschland-Exporten mit knapp sechs Prozent bescheiden, das Quartalsminus war mit 159 Millionen Euro allerdings wertmäßig das mit Abstand größte.

Jobabbau bereits in Gang

Entsprechend verhalten der Ausblick auf das für die Lohnverhandler maßgebliche Jahr 2021. Die Zahl der Beschäftigten im Maschinenbau lag im März mit fast 83.000 gegenüber März 2019 noch im Plus, seit April sei die Tendenz allerdings sinkend. In der Metallwarenindustrie hingegen setzt sich die Abnahme seit Herbst 2019 fort: Mit 66.000 Beschäftigten lag die Branche bereits um 2,4 Prozent unter Vorjahresniveau, was sich in der Corona-Krise fortsetzen wird: Ein Drittel der Unternehmen rechnet damit, dass Jobabbau notwendig sein wird. Von zehn Prozent ist in der Branche die Rede, bestätigten will das naturgemäß niemand.

Läuft es in der Autoindustrie schlecht, spüren das deren Zulieferer in der Metallwarenindustrie.
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Genau das ist der Horror der Arbeitnehmervertreter. Produktions- und Privatangestelltengewerkschafter, die im Herbst für rund 110.000 Metallarbeiter und rund 83.000 Industrieangestellte der Stahl-, Fahrzeug- und Metallindustrie neue Kollektivverträge verhandeln, verweisen auf die Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren. Diese Krise habe dauerhaft an die 6.000 bis 10.000 Arbeitsplätze gekostet, der Produktivitätsfortschritt sei beträchtlich gewesen. Eine Kündigungswelle in der Corona-Krise müsse und wolle man verhindern, das Absichern von Gehältern und Arbeitsplätzen habe höchste Priorität, heißt es in Verhandlerkreisen.

Vorbild Elektroindustrie?

Anleihe könnte man bei der Elektro- und Elektronikindustrie nehmen, die Mitte Mai, auf dem Höhepunkt der Corona-Krise, ein Plus von 1,6 Prozent für KV- und Ist-Löhne beschlossen hat, was in etwa der Inflationsabgeltung entspricht. Darüber hinaus erhielten die rund 67.000 Beschäftigten eine als Corona-Prämie betitelte Einmalzahlung von 150 Euro. Da die Jahresinflationsrate zwischenzeitlich für heuer auf 0,6 bis 1,0 und für 2021 auf 0,9 bis 1,3 Prozent revidiert wurde, sollten sich Gewerkschafter und Arbeitnehmer auf schmale Kost einstellen. Zumal die Arbeitgeber dauerhafte Entgelterhöhungen angesichts der ökonomischen Unsicherheit scheuen wie der Teufel das Weihwasser. (Luise Ungerboeck, 20.8.2020)