Bereits 30 Tote nach Corona-Ausbruch in Ischgl

Mehr als 5.000 Betroffene schließen sich einer Amtshaftungsklage gegen die Republik an. Ischgl präsentiert Corona-Maßnahmen für die nächste Saison

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Mehr als 5.000 Betroffene aus ganz Europa beteiligen sich an einer Amtshaftungsklage gegen die Republik.

Foto: APA / JAKOB GRUBER

Auch wenn die Aufmerksamkeit im Corona-Krisenmanagement momentan mehr an den österreichischen Grenzen oder am Wolfgangsee liegt, bleibt das Tiroler Wintersportgebiet in Ischgl noch immer der bisher größte österreichische Cluster seit Ausbruch der Pandemie. Tausende Gäste wurden infiziert, das Virus wurde in zahlreiche Länder gebracht und 30 Personen verloren im Zusammenhang mit den von Ischgl ausgehenden Infektionen ihr Leben, berichtete die "ZiB 2" am Donnerstag. Über 5.000 Betroffene aus ganz Europa haben sich mittlerweile einer Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich angeschlossen, die im September eingebracht werden soll. Die Kläger wollen das Geschehene nicht vergessen lassen, wie eine Frau eines Ischgl-Opfers zur "ZiB 2" sagte.

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Initiiert wird die Klage vom Konsumentenschützer und Ex-Politiker der Liste Pilz, Peter Kolba. Er hatte auch im März Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck gegen Verantwortungsträger eingebracht. Aktuell laufen Ermittlungen wegen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Kolba selbst kritisierte die Arbeit der Tiroler Behörden mehrmals: Die Staatsanwaltschaft Innsbruck würde den rund 1.000 Privatbeteiligten Akteneinsicht verwehren. Kolba forderte, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft den Fall übernimmt, da das Verfahren in Tirol nicht in guten Händen liege, so Kolba.

Im Fokus der Amtshaftungsklage steht das von Rudolf Anschober (Grüne) geführte Gesundheitsministerium. Kolba vermutet Verstöße gegen das Epidemiegesetz. Das Ministerium betont, alle Warnungen stets direkt an die Tiroler Behörden weitergeleitet zu haben.

Ischgl erarbeitet Maßnahmen für Winter

Es wird also noch Zeit vergehen, bis die Verantwortung für das (Miss-)Management gegen Ende der heurigen Wintersaison geklärt ist. Unterdessen bereiten sich die Touristiker schon auf die nächste Saison vor und erarbeiten Maßnahmen zur Verhinderung eines möglichen zweiten Clusters in der Wintersportregion. Mit den Maßnahmen wolle man weit über die behördlichen Vorgaben hinaus gehen, hieß es seitens der Verantwortlichen am Freitag. So sollen in der kommenden Wintersaison alle Mitarbeiter mit einem aktuellen negativen Covid-19-Test anreisen bzw. vor Ort noch vor Saisonstart getestet werden. Während der Saison werden den Mitarbeitern dann laufend Testmöglichkeiten angeboten.

Auch den Gästen wird empfohlen bereits beim Check-In in den Hotels ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 72 Stunden ist, vorzuweisen. "Wer kein Testergebnis vorlegen kann, für den besteht das Angebot einer freiwilligen Testmöglichkeit in der örtlichen Gäste-Screeningstation", erklärte Alexander von der Thannen, TVB-Obmann. Zusätzlich sollte beim Check-In eine Temperaturmessung durchgeführt und ein kurzer Fragebogen beantwortet werden. Auch eine eigene Contact-Tracing App soll entwickelt werden.

Kein Après-Ski wie gewohnt

Die Seilbahnkabinen sollen laufend mittels Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert werden. Dieselbe Methode wird auch in den Skibussen sowie in Sportshops, Skidepots, WC-Anlagen, Aufzugskabinen und den Ersten-Hilfe-Stationen täglich angewendet. Bei allen Seilbahnmitarbeitern wird täglich vor Arbeitsbeginn Fieber gemessen.

Après-Ski werde es in der bisherigen Form diesen Winter nicht mehr geben, waren sich die Verantwortlichen einig. Details dazu werde es aber erst im Herbst geben. Um große Menschenansammlungen zu vermeiden, wird es heuer zu Beginn der Saison auch kein Konzert geben. Details zu einem alternativen Winterstart sollen ebenfalls im Herbst vorgestellt werden. (lalo, APA, 21.8.2020)

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