Symbolbild: eine Frau am Strand, die ein Selfie macht.

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Corona didn't kill the influencer. Auch weiterhin versuchen Menschen mit einer gewissen Gefolgschaft in den sozialen Netzwerken sich kostenlose Urlaube zu erschnorren. Ein steirischer Hotelbetreiber macht die abstrusen Anfragen mittlerweile öffentlich. Er berichtet gegenüber dem STANDARD, dass er zwei- bis dreimal pro Woche derartige Nachrichten erhält.

Posting und Stories für kostenlosen Aufenthalt

Dabei treten die Influencer mit einer gewissen Frechheit auf, wie die veröffentlichten Nachrichten zeigen. So schreibt eine "Mamabloggerin", dass sie im September einen Urlaub in Österreich mache und noch ein Hotel für eine beziehungsweise zwei Nächte benötige. Die Frau fragt bezüglich einer Zusammenarbeit an, bei der mehrere Instagram-Stories und ein Posting für einen kostenlosen Aufenthalt vorgesehen sind.

Absolut kein Einzelfall

Laut dem steirischen Hotelbetreiber soll die Influencerin allerdings nur 12.000 Follower auf Instagram aufweisen und auf Postings zumeist zwischen 150 und 300 Likes erhalten. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass sich diese Kooperation für den heimischen Unternehmer auszahlt. Gegenüber dem STANDARD sagt der Hotelbetreiber, dass auch seine Kolleginnen und Kollegen regelmäßig derartige Anfragen erhalten, da diese zumeist massenhaft verschickt werden.

Unternehmer sieht darin keinen Mehrwert

Unter dem Hashtag #InfluencerDerWoche veröffentlicht er regelmäßig Nachrichten von Menschen, die sich einen kostenlosen Urlaub erhoffen, wenn sie denn im Gegenzug etwas auf Instagram veröffentlichen. Der Unternehmer sieht darin aber keinen Mehrwert, wie er dem STANDARD schildert: "Instagram wird diesbezüglich völlig überbewertet." Eine Anfrage von Menschen mit deutlich größerer Gefolgschaft, die davor zahlende Gäste waren, habe er aber ebenso abgelehnt.

Hoteliervereinigung warnt vor unseriösen Angeboten

Das Phänomen ist nicht neu. Die österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) machte gegenüber dem STANDARD bereits öffentlich, dass heimische Betriebe regelmäßig derartige Anfrage erhalten. Dabei sei die Zahl der unseriösen Anfragen zumeist höher als die der seriösen. Oft handle es sich um E-Mails von gewöhnlichen Gmail-Adressen ohne Angabe von Details zu bisherigen Kooperationen und den Abonnenten. Mit seriösen Influencern würden Deals aber gut funktionieren.

"Geht arbeiten"

Für Belustigung sorgte im vergangenen Jahr ein genervter Hotelbetreiber auf der philippinischen Insel Siargo. Er machte seine Wut über die ständigen Influencer-Anfragen öffentlich, indem er ihnen auf Facebook nahelegte, dass diese sich doch einfach Arbeit suchen sollten. Die österreichische Influencerin Christlclear versteht die Frustration in diesem Zusammenhang, weist allerdings darauf hin, dass viele auch nicht wissen würden, was tatsächlich hinter den Kulissen geschieht. (dk, 26.8.2020)