Salut für "seinen" Präsidenten: Mike Pence wurde als Vizekandidat nominiert.
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Gerade in Wahlkampfzeiten haben Vizepräsidenten "attack dogs" zu sein, angriffslustige "Wadlbeißer", die den politischen Gegner so heftig attackieren, dass sich die Nummer eins – theoretisch – vornehm zurückhalten und die eher konstruktiven Töne anstimmen kann.

Auch wenn Donald Trump gern selber austeilt, so hat sein Stellvertreter Mike Pence auf dem Parteitag der Republikaner bewiesen, dass er sich aufs Reiten von Attacken versteht. Was der Mann in der Nacht auf Donnerstag zeichnete, war das Bild eines Gegners – gemeint ist Joe Biden –, der zum einen Amerika nicht begreift und zum anderen Amerika an den Abgrund der Anarchie führen würde, sollte er dereinst regieren.

Finsternis? Nein, Größe

Er sei ein Verbündeter des Lichts, während der Amtsinhaber für die Finsternis stehe, hatte Herausforderer Biden vorige Woche auf dem Wahlkongress der Demokraten gedichtet. Darauf Pence, am Mittwochabend im historischen Fort McHenry in der Küstenstadt Baltimore: "Wo Joe Biden Finsternis sieht, sehen wir amerikanische Größe."

Biden, so griff Pence eine weitere Redezeile des Kontrahenten auf, habe gesagt, in der Pandemie werde es keine Wunder geben. "Was Joe nicht zu begreifen scheint: Amerika ist eine Nation der Wunder." Man sei auf gutem Wege, schob er hinterher, bis zum Jahresende den ersten sicheren Corona-Impfstoff der Welt zu entwickeln.

Meister der einfachen Formulierung

Bevor er ins amerikanische Repräsentantenhaus und später ins Gouverneursamt Indianas gewählt wurde, hatte Pence eine eigene Radiosendung. In den Neunzigern zählte er zu einer wachsenden Schar von Radiotalkern, die dem Vorreiter Rush Limbaugh nacheiferten und mal plaudernd, mal agitierend konservative Werte vermittelten. Er versteht sich auf das Formulieren einfacher Zeilen und jenen optimistischen Ton, der unbekümmertes Ärmelaufkrempeln suggerieren soll.

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Zudem versteht sich Pence darauf, zugespitzte Fragen zu stellen. Mit Blick auf den 3. November, sagt Pence, möge sich jeder Wähler fragen, wem er am ehesten zutraue, die Wirtschaft wiederaufzubauen. "Einem Karrierepolitiker, der die langsamste ökonomische Erholung seit der Großen Depression zu verantworten hatte? Oder einem erprobten Anführer, der die großartigste Volkswirtschaft der Welt erschuf?"

An anderer Stelle lobt er Trump, ohne Versäumnisse beim Corona-Krisenmanagement auch nur zu erwähnen, für die "größte nationale Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg".

Alles ist Schwarzweiß

Im opulent mit Flaggen geschmückten Fort McHenry, dem Ort, auf den die amerikanische Nationalhymne zurückgeht, lässt er weder Zweifel noch Grautöne zu, er kennt nur Schwarzweißmuster. Das gilt auch für die Eskalation in Kenosha, einer 100.000-Einwohner-Stadt in Wisconsin, wo ein Polizist siebenmal auf den 29 Jahre alten Jacob Blake feuerte, den Afroamerikaner so schwer verletzte, dass er offenbar querschnittgelähmt ist, und damit heftige Proteste provozierte.

Auf den Auslöser der Ausschreitungen geht der Vizepräsident nicht ein, er verkündet betont entschlossen: "Lassen Sie mich klarstellen, die Gewalt muss ein Ende haben". Und: "Wir werden Recht und Ordnung auf den Straßen Amerikas haben." In Joe Bidens Amerika, sagt er noch, wäre niemand mehr sicher. Denn Biden sei nur das Trojanische Pferd der radikalen Linken.

Kristi Noem: Die Gouverneurin von South Dakota war eine Zeitlang im Gespräch als Ersatz für Mike Pence – und wurde es dann doch nicht.
Foto: Committee on Arrangements for the 2020 Republican National Committee via AP

Kristi Noem, die Gouverneurin South Dakotas, in der Gerüchteküche eine Zeit lang als Ersatz für Pence gehandelt, spricht von der Anarchie, die sich in Seattle, Portland, Washington oder New York breitmache – in Städten, in denen die Demokratische Partei die Bürgermeister stellt. Wer es sich leisten könne, sei längst aus diesen Städten geflohen. "Hart arbeitende Amerikaner dagegen sind dort auf sich allein gestellt."

Richard Grenell, bis vor kurzem Botschafter in Berlin, ein undiplomatischer Diplomat, der seinem Gastland gern Lektionen erteilte, singt ein Loblied auf das Motto "America first". Er habe in erster Reihe beobachten können, wie unnachgiebig Trump die Interessen seines Landes vertrete. "Ich habe gesehen, wie Trump die deutsche Kanzlerin umgarnte, während er darauf bestand, dass Deutschland seinen Nato-Verpflichtungen nachkommt", sagt Grenell. Er wünschte, alle Amerikaner könnten miterleben, wie er in ihrem Namen verhandle. (Frank Herrmann aus Washington, 27.8.2020)