Bis Freitag halten Griechenland, Frankreich, Italien und Zypern ein Militärmanöver im Mittelmeer ab, die Türkei kontert Anfang September.

Foto: Greek Defense Ministry via AP

Ankara/Paris – Im Gasstreit mit Griechenland zeigt die Türkei weiter Flagge. Die Marine kündigte am Donnerstag an, Anfang September im östlichen Mittelmeer ein Seemanöver mit Schießübungen abzuhalten. Als Ort wurde ein Gebiet nordöstlich von Zypern vor der türkischen Küste bei Iskenderun angegeben.

Die Nato-Mitglieder Griechenland und Türkei erheben beide Ansprüche auf Seegebiete im östlichen Mittelmeer, in denen Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Die EU hat die Türkei aufgefordert, Bohrungen in den umstrittenen Gewässern zu stoppen.

Weiteres Manöver

Frankreich hatte jüngst zudem angekündigt, sich an einem geplanten Manöver im östlichen Mittelmeer zu beteiligen. Man werde dazu drei Kampfjets und eine Fregatte bereitstellen. Das Manöver sei bis Freitag geplant, auch Italien, Griechenland und Zypern nähmen teil.

Der Sprecher des türkischen Außenministeriums erklärte, mit der Stationierung von Militärmaschinen auf Zypern verletze Frankreich Verträge. Zudem ermutige Paris damit Griechenland und Zypern, die Spannungen in der Region weiter anzuheizen.

EU-Außenminister beraten

Auch beim Treffen der EU-Außenminister ab dem heutigen Donnerstag in Berlin wird der eskalierende Gasstreit Thema sein. Auch Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) wird am Treffen erwartet. Wie am Mittwoch bereits Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) im Kollegenkreis die "glasklare Haltung" gegenüber der Türkei und die "absolute Solidarität" mit Griechenland betont hat, wird heute auch Außenminister Schallenberg die österreichische Position darlegen.

Abseits davon beschäftigen sich die Außenminister mit den politischen Folgen der Corona-Pandemie, mit der explosiven Lage in Belarus und mit dem möglichen Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny. Auch der Nahost-Friedensprozess, die aktuelle Lage in der Region und die Beziehungen der Europäischen Union zu Israel sollen Thema sein.

Schlussfolgerungen oder Abschlussdokumente sind nicht zu erwarten, da es sich um ein informelles Treffen handelt, wie es jedes halbe Jahr einmal stattfindet. Umso offener können die Teilnehmer sprechen, da der Druck auf die einmütige Formulierung von Beschlüssen entfällt. (APA, 27.8.2020)