Only in America. Nur in den USA gibt es so eine Geschichte: Da ist der rechtskonservative, evangelikale Erweckungsprediger Jerry Falwell Jr., Präsident der größten christlichen Universität, ein Unterstützer von Donald Trump, der so wunderbar von God and Love and Patriotism reden kann. Und da ist seine Frau. Und der Pool-Boy.

Der rechtskonservative, evangelikale Erweckungsprediger Jerry Falwell Jr.
Foto: AP Photo/Carolyn Kaster

Der Pool-Boy ist eine fixe Erscheinung der amerikanischen Trivialkultur. Der gutgewachsene Bursch, der sich um den Pool und um sonst noch allerlei kümmert. Auch um Mrs. Falwell. Sieben Jahre lang. Und Reverend Falwell hat dabei manchmal zugesehen.

Privatangelegenheit. Aber nicht bei einer so öffentlichen Figur wie Jerry Falwell, nicht bei so einem moraltriefenden Bibelschwenker, der die Studenten seiner Uni auffordert, offen Waffen zu tragen, um "diese Muslims" loszuwerden. Falwell ist als Präsident der Liberty University zurückgetreten, seine Frau (Mitglied bei "Women for Trump") verweigert jede Stellungnahme.

Skandale um evangelikale Prediger sind Teil der US-Folklore. Der sozialkritische Autor Sinclair Lewis hat einen Roman ("Elmer Gantry") über genau so eine charismatisch-betrügerische Figur geschrieben. Die Evangelikalen sind eine (reaktionäre) politische Macht. Mehr denn je. Sie stützen den zweifach geschiedenen Ehebrecher Trump. Nur die Sache mit dem Pool-Boy war offenbar zu viel. Weil vielleicht der junge Mann (er heißt Giancarlo) ein "Papist" (Katholik) ist? (Hans Rauscher, 27.8.2020)