Ginge es im gleichen Tempo ohne neue Stornierungen weiter, wäre der Berg in 60 Tagen abgearbeitet, so Lufthansa.

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Die AUA-Mutter Lufthansa kommt mit den Erstattungen stornierter Tickets aus der Corona-Krise voran. Im laufenden Jahr seien in der Gruppe nun 2,5 Milliarden Euro an 5,6 Millionen Kunden zurückgeflossen, teilte der Konzern am Freitag mit. Damit sind aber immer noch 1,2 Millionen Anträge offen, mit einem Volumen von rund 600 Millionen Euro.

In den vergangenen sieben Tagen wurden den Angaben zufolge täglich 20.000 Fälle erledigt. Ginge es im gleichen Tempo ohne neue Stornierungen weiter, wäre der Berg in 60 Tagen abgearbeitet. Der Konzern hatte angekündigt, bis Ende August die Fälle aus der ersten Jahreshälfte zu erledigen.

Nach EU-Recht sind Fluggesellschaften bei von ihnen veranlassten Stornierungen zur Rückzahlung des Ticketpreises innerhalb von sieben Tagen verpflichtet. Nach dem Zusammenbruch des Luftverkehrs im März hatte die Lufthansa automatische Erstattungsprozesse abgestellt und auf Einzelfallprüfungen bestanden. Wie andere Gesellschaften auch versuchte sie zudem, die Kunden mit Gutscheinen zu befriedigen. Das Vorgehen löste scharfe Kritik von Verbraucherschützern und Anzeigen bei den Luftaufsichtsbehörden aus.

Vertreter des Bundes für Aufsichtsrat fix

Die deutsche Fluggesellschaft musste wegen wirtschaftlicher Einbrüche durch die Corona-Krise teilverstaatlicht werden. Anders als bei den Staatshilfen für die AUA entschied sich der deutsche Staat dazu, sein Kontrollrecht beim Konzern vorerst zu sichern. Nun stehen die beiden Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat des Unternehmens fest. Der frühere Chef des Flughafens München, Michael Kerkloh, sowie die Vorstandsvorsitzende des Hamburger Hafenbetreibers HHLA, Angela Titzrath, sollen in das Kontrollgremium aufrücken, um dort die Interessen des größten Einzelaktionärs zu wahren.

Über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) hält die Bundesrepublik an dem MDax-Konzern 20 Prozent und kann ihren Anteil noch auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie erhöhen.

Der 67 Jahre alte Kerkloh und die 54-jährige Titzrath wurden vom Lufthansa-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley dem WSF als Vertreter vorgeschlagen. Für sie verzichten in dem 20-köpfigen Gremium auf der Kapitalseite die bisherigen Aufsichtsräte Monika Ribar und Martin Koehler auf ihre Mandate, teilte die Lufthansa am Freitag mit. Koehler hatte dem Gremium seit 2010 angehört und war damit das dienstälteste Mitglied.

Bewusst nicht einmischen

Der Bund hatte beim neun Milliarden Euro schweren Lufthansa-Rettungspaket darauf verzichtet, selbst auf Personalsuche zu gehen oder beispielsweise Staatssekretäre zu entsenden. Damit sollte dokumentiert werden, dass die Politik keinen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen des größten Luftverkehrskonzerns in Europa nehmen wolle.

Mit Kerkloh und Titzrath werden zwei ausgewiesene Verkehrsexperten benannt, die zudem aus öffentlich kontrollierten Unternehmen kommen. Unter Kerklohs Ägide bis Ende vergangenen Jahres ist der Münchner Flughafen zum zweitwichtigsten Drehkreuz der Lufthansa ausgebaut worden, mit deutlich niedrigeren Kosten als in Frankfurt. Flughafen und Airline betreiben in der bayerischen Landeshauptstadt sogar gemeinsam einen Passagierterminal. (APA, 28.8.2020)