Donald Trump ist keineswegs der Einzige, der zu fatigieren versteht, aber dafür ist er der Mächtigste.

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In der amerikanischen Presse ist viel von der "Trump-Fatigue" die Rede. Fatigue, das bedeutet Erschöpfung, Ermüdung, Überdruss, Gähnkrämpfe, und Trump-Fatigue meint logischerweise das Aufkommen einer solchen Symptomatik, wenn man des US-Präsidenten ansichtig wird.

Trump hat den großen Vorteil, als Politiker auf einen Klub von Fans zählen zu können, die ihn auch dann noch wählen würden, wenn er sie mit einer Eisenstange über den Kopf schlüge. Zur Injektion von Ajax als Mittel gegen Corona hat er bereits geraten, und wenn er seinen Anhängern nächstens empfehlen wird, sich ins Knie zu schießen, damit sie im Lotto gewinnen, wird es ihnen auch recht sein. Hauptsache, es ist unterhaltsam. Kein Wunder, dass die Demokraten und die paar Never-Trump-Republikaner inbrünstig darauf hoffen, dass den Leuten der Spaß an den Flausen des orangen Irrwischs vergeht und die Trump-Fatigue sich entstellt.

Leben im Überdruss

Der Gerechtigkeit halber muss gesagt werden, dass Trump keineswegs der Einzige ist, der zu fatigieren versteht. Es gibt auch die Putin-Fatigue (zu viel toxische Männlichkeit), die Strache-Fatigue (ein Politiker, der ankündigt, auf jeden Cent zu defäkieren, wo gibt’s denn so etwas?), und natürlich, je nach politischer Präferenz, die Kurz-Fatigue, Kofler-Fatigue, Rendi-Wagner-Fatigue, Hofer-Fatigue und Meinl-Reisinger-Fatigue.

Aber nicht nur die Politiker ermüden. Ich kenne, neben vielen anderen Fatiguen, zum Beispiel die Clickbait-Fatigue. Kaum surft man fünf Minuten durchs Internet, wird man garantiert mit einer anlassigen Frage angestrudelt ("Wie geht es eigentlich Macaulay Culkin an seinem vierzigsten Geburtstag?"), und wehe, man tappt in einem schwachen Moment in diese Trottelfalle hinein. Brutaler kann man seine Zeit nicht killen.

In einem Supermarkt wurde ich kürzlich von der Apfel-aus-Neuseeland-Fatigue ereilt. In Österreich biegt sich jeder Apfelbaum unter der Last der Früchte, aber offenbar scheinen die Supermärkte auch jene Feinspitze befriedigen zu wollen, denen nichts über einen original neuseeländischen Apfelgout geht. Das muss uns ja wohl ein paar Tonnen CO2 in der Atmosphäre wert sein! Aber bitte, liebe Supermärkte: Hört dann auch auf mit eurem omnipräsenten Grüngesülze und Ökogeraspel. Wirkt nämlich unglaubwürdig. Und erzeugt schwere Fatigue. (Christoph Winder, 30.8.2020)