Beim Schnitzel zählt für viele Österreicher jeder Cent. Die Krise verteuert die Einkehr beim Wirten.

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Wien – Urlaub in Österreich hat in Zeiten von Corona Hochsaison. Erholung im eigenen Land hat jedoch seinen Preis. Vor allem wenn es einen in die Gastronomie zieht. Österreichs Wirte haben die Preise für ihre Dienste im Juli saftig erhöht – um 3,7 Prozent, geht aus Berechnungen der Statistik Austria hervor. Die Gesamtinflation zog vergleichsweise um 1,7 Prozent an.

Das macht Konsumentenschützer hellhörig, die sich fragen, wie stark sich die Bewirtung außer Haus im Geldbörsel niederschlagen wird, wenn die staatlichen Hilfen der Regierung für die Branche auslaufen.

"Falscher Weg"

Die Politik beschloss für von der Corona-Krise hart gebeutelte Gastronomen und Hoteliers eine Senkung der Mehrwertsteuer. Auflagen, sie an die Gäste weiter zu geben, um den Konsum anzukurbeln, gab es bewusst keine. Ziel ist es, die Betriebe finanziell nach der langen Durststrecke zu stärken. Die Wirte behielten die ersparte Steuer nicht nur ein, sagt Michael Ertl, Experte der Arbeiterkammer – sie verteuerten Speis und Trank darüber hinaus sogar erheblich. "Das ist frech." Auch ökonomisch gesehen sei es nicht der richtige Weg, um mehr Gäste in die Lokale zu locken.

Ertl zweifelt an der Zweckmäßigkeit des ermäßigten Steuersatzes, der vor allem Unternehmen dient, die ohnehin gut frequentiert sind. Und er befürchtet noch höhere Preise, wenn mit dem befristeten ermäßigten Steuersatz Ende des Jahres Schluss ist.

Mario Pulker, Obmann der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer, sieht darin reine Polemik. In kaum einem anderen Land ließe sich so gut und günstig speisen wie in Österreich, meint er. Die Branche liege bei den Preisen im internationalen Vergleich im unteren Drittel. Es müsse allein schon daher laufend weitere Erhöhungen geben.

"Alternativlos"

Die jüngsten Teuerungen auf der Speisekarte sind für ihn alternativlos. Enorme Umsatzverluste im Zuge des Shutdowns seien uneinbringlich. Investitionen in Sicherheit wie Plexiglas, Desinfektion und Mundschutz gehörten bezahlt. Der Arbeiterkammer wirft Pulker mangelhafte Kenntnis der Betriebswirtschaft und Rechenschwäche vor.

"Zum einen fordert sie, dass wir Mitarbeitern mehr zahlen, zum anderen prangert sie an, dass wir die Preise erhöhen." Nicht nur die Krise, auch jährliche Lohnsteigerungen zwangen zu Anpassungen. Die Preise einfach einzufrieren, das spiele es nur im Kommunismus.

Moderate Erhöhung der Beherberger

Anders als die Wirtshäuser haben sich Österreichs Beherbergungsbetriebe im Juli lediglich um 0,4 Prozent verteuert. Die jüngsten Nächtigungszahlen verdeutlichen die Bredouille, in der etliche Unternehmen stecken: Von Mai bis einschließlich Juli quartierten sich um 45 Prozent weniger Gäste ein als im Vorjahr. Im Juli zählten Touristiker rund 17 Prozent weniger Übernachtungen.

Österreicher, die im eigenen Land urlaubten, federten das Fehlen ausländischer Gäste ab. Auch deutsche Touristen bewahrten die Branche vor einem größeren Absturz.

Wien litt mit einem Minus von 73 Prozent im Juli am stärksten. Gewinner in der Krise waren Kärnten, Steiermark und Burgenland mit Zuwächsen zwischen 0,1 und mehr als vier Prozent. "Wir sind noch lange nicht über den Berg", sagt Michaela Reitterer, Präsidentin der Hoteliervereinigung. 31 Millionen verlorene Gästenächte hole keiner auf. (Verena Kainrath, 29.8.2020)