Die Polizei am Tatort in Portland.

Foto: AP / Paula Bronstein

Anhänger von US-Präsident Donald Trump waren zuvor in die Stadt gereist, um dort für den Staatschef zu demonstrieren.

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Portland – Bei Demonstrationen in der Stadt Portland im US-Staat Oregon ist ein Mensch erschossen worden. Der Vorfall ereignete sich am Samstagabend am Rande zweier Demos, wie örtliche Medien berichteten. Demnach kamen Schätzungen zufolge etwa 2.500 Unterstützer von US-Präsident Donald Trump zu einem Autokorso in die Stadt, die sonst als Hochburg linker Gruppen und linker Politik gilt. Zugleich fand eine Demo Trump-kritischer, linker Gruppen statt. Trump hatte die Stadt in seiner Wahlkampfrhetorik bisher schon als Hort gewaltbereiter Linksextremisten gebrandmarkt.

Es gab Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten. Die Polizei machte zunächst keine Angaben darüber, ob die Schüsse damit in direktem Zusammenhang standen. Unklar war zunächst auch, ob es sich bei dem Opfer um einen Mann oder eine Frau handelt. Die "New York Times" berichten allerdings, es handle sich um einen Mann. Er habe eine Kappe der weit rechts stehenden Gruppe "Patriot Prayer" getragen. Es werde wegen eines Tötungsdelikts ermittelt, hieß es. Zuvor hatten sich die rivalisierenden Gruppen nach Bericht der Zeitung schon mit Flaschenwürfen und Gummigeschossen Auseinandersetzungen geliefert. Die Polizei äußerte sich nicht dazu, wer geschossen haben soll.

Neue Proteste nach Vorfall in Kenosha

Die Proteste hatten in Portland, so wie in zahlreichen anderen US-Städten, in der vergangenen Woche wieder an Intensität zugenommen. Grund waren die Schüsse der Polizei der Stadt Kenosha, Wisconsin, auf den Afroamerikaner Jacob Blake. Diesem wurde siebenmal in den Rücken geschossen, als er sich nach Angaben der Polizei seiner Festnahme widersetzte, indem er auf den Fahrersitz seines Autos zuging.

Auf einem Handyvideo des Zwischenfalls ist zu sehen, wie Blake davor um ein Auto geht, während ihm zwei Polizisten mit gezogener Waffe folgen. Eine davon ist auf seinen Rücken gerichtet. Als Blake die Fahrertür aufmacht und sich hineinbeugt, greift einer der Polizisten ihn am Shirt und schießt. Das Video löste in den USA Empörung und Proteste aus. Im Auto befanden sich Blakes Kinder im alter von drei, fünf und acht Jahren.

Trump will nach Wisconsin reisen

Laut der Polizei hatte er zuvor mit einem Messer gedroht. Blake ist seither von der Hüfte abwärts gelähmt, die Beamten nahmen ihm dennoch erst am Freitag die Handschellen ab, mit denen sie ihn an sein Krankenhausbett gefesselt hatten. Bei späteren Demonstrationen erschoss ein selbsternannter 17-Jähriger Polizeihelfer zwei Menschen und verletzte einen weiteren schwer.

US-Präsident Donald Trump will am Dienstag nach Kenosha im Bundesstaat Wisconsin reisen und damit den jüngsten Brennpunkt der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten besuchen. Trump wolle sich dort mit Polizeivertretern treffen und sich ein Bild von den Schäden in der 100.000-Einwohner-Stadt machen, teilte das Präsidialamt am Samstag mit.

Trump wolle die Schäden besichtigen, die bei Protesten gegen die Polizeigewalt entstanden seien, hieß es. Eine zentrale Botschaft Trumps im laufenden Präsidentschaftswahlkampf ist das Versprechen von "Recht und Ordnung". Er hatte Truppen der Bundesregierung nach Kenosha entsandt, um gewaltsame Proteste zu unterbinden. Ob Trump auch Blakes Familie treffen will, wurde nicht mitgeteilt. (APA, red, 30.8.2020)