Der Chef des militärischen Teils der Übergangsregierung, Abdel Fattah al-Burhan, hält eine Kopie des Friedensvertrags in die Höhe.

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Trotz des Abschlusses eines Friedensabkommens mit mehreren Rebellen 2006 herrscht bis heute kein Frieden in der Region, Millionen wurden vertrieben.

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Juba – Die aus Militärs und Zivilisten zusammengesetzte sudanesische Übergangsregierung hat ein Friedensabkommen mit fünf bedeutenden Rebellengruppen besiegelt. Die Vereinbarung wurde am Montag in der südsudanesischen Hauptstadt Juba unterschrieben. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Montag berichtete, hielten Vertreter des Bündnisses Sudanesische Revolutionäre Front (SRF) nach der Zeremonie in Juba als Ausdruck der Feierlichkeit ihre Fäuste in die Höhe.

Aus Verhandlungskreisen hieß es, das Abkommen sei bewusst nur abgezeichnet, aber nicht unterschrieben worden. Damit solle die Tür für zwei weitere Rebellengruppen offengelassen werden, die sich dem Friedensprozess bislang verweigert hatten.

Südsudan als Vermittler

An der Zeremonie in Juba nahmen der Chef des militärischen Teils der Übergangsregierung, Abdel Fattah al-Burhan, und der des zivilen Teils der Übergangsregierung, Abdallah Hamdok, teil. Geleitet wurde sie vom Präsidenten des Südsudan, Salva Kiir. Das Nachbarland war in den seit dem vergangenen Jahr geführten Friedensgesprächen als Vermittler aufgetreten.

"Wir haben mit der echten Transformation des Sudan von einer Diktatur hin zu einer Demokratie begonnen", sagte der sudanesische Informationsminister Faisal Mohammed Salih der Nachrichtenagentur AFP während der Vertragszeremonie in Juba. Zwar werde es auf dem Weg zur praktischen Umsetzung des Abkommens noch "einige Probleme" geben, sagte Salih. "Aber wir haben den politischen Willen." Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell begrüßte die Einigung der Konfliktparteien. Das Abkommen sei "ein wichtiger Meilenstein für den anhaltenden demokratischen und wirtschaftlichen Übergangsprozess im Sudan". Die Europäische Union werde diesen Prozess weiter unterstützen, so Borrell.

Das Friedensabkommen gilt als entscheidender Schritt bei der Lösung der tiefgreifenden Konflikte, die in dem Land unter der Herrschaft des 2019 gestürzten Präsidenten Omar al-Bashir ausbrachen. Mit dem Abkommen sollen die Rebellengruppen politische Mitsprache, Autonomiebefugnisse und wirtschaftliche Rechte erhalten. Zudem wurde ihnen eine Integration in die Sicherheitskräfte zugesagt. Vertriebene sollen in ihre Heimat zurückkehren können.

Hunderttausende Tote

In der westlichen Krisenregion Darfur begann 2003 ein Bürgerkrieg, bei dem zwischen 2003 und 2008 Schätzungen zufolge 300.000 Menschen getötet und etwa 2,5 Millionen vertrieben wurden. Trotz des Abschlusses eines Friedensabkommens mit mehreren Rebellen 2006 herrscht bis heute kein Frieden in der Region.

Der Weg für die Friedensverhandlungen wurde frei, nachdem der sudanesische autokratische Präsident Omar al-Bashir vergangenes Jahr nach Massenprotesten vom Militär abgesetzt worden war. Al-Bashir wird vor dem Internationalen Strafgerichtshof der Kriegsverbrechen und des Völkermordes beschuldigt. (APA, red, 31.8.2020)