Die derzeitige Eskalation der Gewalt in einigen amerikanischen Städten hat zwei Gründe. Erstens kommt es nach jedem rassistischen Übergriff der Polizei – und die gehören leider zum amerikanischen Alltag – zu Massenprotesten, die von einer Minderheit für Vandalismus und Plünderungen genutzt werden. Und zweitens sitzt im Weißen Haus ein Mann, der die Gewalt bewusst anheizt, weil er glaubt, damit seine Chancen auf die Wiederwahl zu verbessern.

Polizisten bei den nächtlichen Protesten in Portland.
Foto: AP/Paula Bronstein

Tatsächlich sorgen die nächtlichen Bilder aus Portland oder Kenosha, wo zuletzt dem unbewaffneten Afroamerikaner Jacob Blake siebenmal in den Rücken geschossen wurde, bei vielen Wählern für Verunsicherung. In einem Trommelfeuer aus Tweets und Wortfetzen schiebt Trump den Demokraten und deren Präsidentschaftskandidaten Joe Biden die Schuld für die Ausschreitungen zu. Deren Botschaft, dass friedliche Proteste zwar berechtigt sind, Gewaltakte aber nicht, ist viel verwaschener als die radikalen Kampfrufe des Präsidenten.

In den Umfragen hat Trump gegenüber Biden wieder etwas aufgeholt, seine Hetze scheint zu wirken. Mit einem provokanten Besuch in Kenosha hofft er, diesen Trend noch zu verstärken und vom Corona-Desaster weiter abzulenken.

Aber es kann genauso gut sein, dass der Fokus auf Rassismus und Gewalt Trump am Ende mehr schadet als nützt. Denn wenn in einem Land Chaos regiert, dann kann ein mächtiger Staatschef die Verantwortung dafür nur schwer abschütteln. (Eric Frey, 31.8.2020)