Das Bestandsgebäude aus den 1950ern wurde saniert und bekam einen Dachausbau mit 32 neuen Wohnungen dazu.

Foto: NHT

Platz ist in Innsbruck Mangelware. Die alpine Kleinstadt stößt im Norden und Süden an natürliche Grenzen in Form von Bergen. Von Ost nach West ist das Inntal im Zentralraum Innsbruck bereits fast zu einer zusammenhängenden Siedlung zwischen Hall in Tirol und Kematen sowie Zirl geworden. Doch der Zuzug ist ungebrochen, man rechnet mit mehreren Zehntausend Menschen, die sich in den nächsten 50 Jahren hier ansiedeln werden.

Verdichten heißt ein Patentrezept, um steigenden Wohnraumbedarf trotz Baulandmangels befriedigen zu können. Im Innsbrucker Blocksaggen hat der gemeinnützige Bauträger Neue Heimat Tirol (NHT) mithilfe des EU-Sinfonia-Projektes ein Bestandsgebäude saniert und zugleich ausgebaut. Neben modernen Energiestandards und höherer Wohnqualität wurde dadurch auch um fast ein Drittel mehr Wohnungen am selben Platz geschaffen.

Sanieren oder verdichten?

Die Ausgangslage im Jahr 2014 war folgende: Das Bestandsgebäude stammt aus dem Jahr 1951, umfasste bis dahin fünf Stockwerke mit insgesamt 92 Wohnungen. Hofseitig waren die Wohneinheiten mit sehr kleinen Balkonen ausgestattet. Die entscheidende Frage, bevor man den Architekturwettbewerb dazu ausgeschrieben hat, lautete: sanieren oder verdichten? Weil die Bewohner des Bestandsgebäudes aber sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation waren und die politisch Verantwortlichen mehr Wohnraum schaffen wollten, wurde aus dem Oder kurzerhand ein Und. Denn wie sich zeigen sollte, ist beides möglich.

Die Aufgabe für den Bauträger NHT war also nicht einfach, wie Geschäftsführer Markus Pollo erklärt: "Das Bestandsgebäude sollte saniert und zugleich aufgestockt werden. Zudem lautete die Vorgabe, den Energieverbrauch um die Hälfte zu reduzieren." Auf Wunsch des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck beteiligte sich die NHT für die Umsetzung des Bauvorhabens am EU-Energieeffizienz-Projekt Sinfonia, um eine hochwertige energetische Sanierung des alten Bestandsgebäudes vorzunehmen.

84 Balkone erst entfernt und danach vergrößert

Dazu wurden in zwei Sanierungsstufen mehrere konkrete Maßnahmen umgesetzt. Zuerst wurden die 84 kleinen, wenig praktikablen Balkone entfernt. Sie wurden deutlich vergrößert, was die Wohnqualität verbessert. Dann wurde die thermische Sanierung der Fassade sowie der obersten Geschoß- und Kellerdecken durchgeführt. Alle Fenster wurden ausgetauscht und zur Steigerung der Luftqualität in den Wohnungen sowie im Sinne eines effizienteren Energieverbrauches eine Komfortlüftung eingebaut.

Durch diese Maßnahmen konnte der Energiebedarf des Altbestandgebäudes nicht nur um die anvisierten 50 Prozent gesenkt werden, sondern er beträgt nur mehr 24 kW pro Quadratmeter und Jahr. Das entspricht einem Fünftel des ursprünglichen Energiebedarfs. Zudem wurde das Gebäude, etwa durch Anhebung des Geländeniveaus im Innenhof um rund einen Meter, barrierefrei zugänglich gemacht.

Energieeffizient und günstig

Zeitgleich mit der Sanierung des Altbestandes wurde der Ausbau auf dem Dach gestartet. Es sollten insgesamt 32 neue Wohneinheiten dazukommen, ohne dass die Mieter darunter während der Bauarbeiten ausziehen mussten. Das gelang, und der aufgesetzte Neubau weist nun sogar noch bessere Energiewerte auf: Er verbraucht nur mehr 14 kW pro Quadratmeter und Jahr. Der Dachausbau wurde nach Passivhausstandard gebaut und verfügt über eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung. Damit erfüllt der Dachzubau den Klimaaktiv-Bronze-Standard.

Insgesamt kostete das Bauprojekt die NHT 1,6 Millionen Euro für die Sanierung des Altbestandes und weitere 3,9 Millionen Euro für den Neubau auf dem Dach desselben. Aus dem EU-Sinfonia-Projekt wurden 285.000 Euro an Förderungen ausgeschüttet. Trotz der Investitionen konnte der durchschnittliche Nettomietpreis im Bestandsgebäude auf für Innsbrucker Verhältnisse sehr moderaten 5,17 Euro pro Quadratmeter gehalten werden. Im neu errichteten Dachausbau beträgt die monatliche Nettomiete 7,50 Euro pro Quadratmeter. (ars, 2.9.2020)