Am Montag startet in Teilen Österreichs die Schule. Das Schuljahr wird erneut besonders, doch großflächige Schließungen sind nicht geplant.

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Wien – Der Auftrag der Bildungsdirektion sei, so sagt es Bildungsdirektor Heinrich Himmer bei einem Pressetermin am Donnerstag, "dass Schule unter größtmöglicher Normalität möglich ist".

Schule soll also stattfinden, egal unter welchen Umständen. Denn: Es könne nicht sein, dass Eltern – wie damals im Lockdown – die Aufgaben der Schule übernehmen müssen.

Erste Schüler in Quarantäne

Corona-Verdachtsfälle, sagt auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), sollten nicht dazu führen, dass ganze Standorte schließen. Angesprochen auf den Fall einer Wiener Privatschule – sechs Schülerinnen und Schüler der Vienna International School sind derzeit in Quarantäne, der Betrieb läuft jedoch weiter – konkretisiert der Bürgermeister: Nein, auch so eine Situation heiße noch nicht, dass eine ganze Klasse heimgeschickt werden müsse.

Stattdessen wolle man, sollte es einen Verdachtsfall in der Schule geben, schnell herausfinden, wer mit ihm Kontakt hatte. Der Plan der Stadt sieht vor, dass ein Verdachtsfall isoliert wird, Kontaktpersonen erhoben werden, die – ohne Vermischung mit anderen Klassen – weiterunterrichtet werden. Erst wenn das Kind positiv getestet ist, sollen auch die Kontaktpersonen getestet und für zehn Tage ab dem letzten Kontakt zum infizierten Kind isoliert werden.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ließ die Pädagoginnen und Pädagogen wenige Tage vor dem Schulstart wissen, dass er im Fall des Falles auch im Fernunterricht ein Festhalten am Stundenplan empfiehlt – es gehe um so viel schulische Struktur wie möglich.

Keine Maske in der Klasse

In Wien hat man auch was die Masken anbelangt eine klare Linie: "In Klassenzimmern wird es kein Maskentragen geben, das ist ja nicht auszuhalten", formuliert es Himmer. Stattdessen sollen andere Unterstützungsmaßnahmen eingehalten werden, die man mit Gesundheitsexperten ausgearbeitet habe. Er "garantiert" jedenfalls einen normalen Schulstart.

Ebenso fix sei, dass alle Kinder trotz Corona-Situation weiter betreut werden. Für den Fall, dass Pädagoginnen und Pädagogen ausfallen, habe man einen Reservepool angelegt. Für Eltern gebe es eine Info-Hotline (01 525 25-77109) und einen Katalog mit den häufigsten Fragen zum Thema auf der Seite der Stadt Wien. Außerdem wurde ein Bildungskrisenstab eingerichtet.

Ob in Wien wie auch anderswo die Maßnahmen ausreichen, will das Bildungsministerium mit regelmäßigen Gurgeltests überprüfen: Alle drei bis vier Wochen sollen 15.000 Schüler und 1200 Lehrer zum Gurgelwasser-Corona-Test antreten. Getestet werden laut Bildungsressort Personen an 250 Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen in allen Bundesländern. Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig.

70 Gratis-Ganztagsschulen

Wien startet übrigens auch abseits von Corona mit Neuerungen ins neue Schuljahr. Ab kommenden Montag sind für 70 Ganztagsschulen keine Beiträge mehr zu bezahlen. Pro Monat sparen Eltern daher 180 Euro pro Kind, laut Stadt seien das in Summe 40 Millionen Euro. Pro Jahr sollen, so Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky nun zehn weitere Ganztagsschulen geschaffen werden. (elas, red, 3.9.2020)