Im Gespräch mit anderen relativiert sich die eigene Einschätzung des möglichen Arbeitgebers noch einmal.

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Arbeitgeber betreiben Karriereseiten, die auf eine IT-unterstützte Rekrutierung abzielen. Dort stellen sie offene Positionen online und informieren über sich selbst. Ein etwas neueres Phänomen sind Arbeitgeberbewertungen. Auf Plattformen wie glassdoor.com oder kununu.com können Einzelne den Arbeitgeber anonym beurteilen. Gleichzeitig haben Arbeitgeber die Möglichkeit, sich über Profile zu präsentieren und sich zu Bewertungen zu äußern.

Für Jobsuchende lautet die Frage: Was von beiden schaue ich mir an, und welchen Effekt hat das auf mich? Wir haben das mit 445 Studierenden der WU gegen Ende ihres Bakkalaureatstudiums untersucht. Anschauungsbeispiel war eine bei Jobsuchenden bekannte global tätige Unternehmensberatung. In einem Experimentaldesign haben wir Studierende in drei Gruppen eingeteilt und nach einer Ersteinschätzung gebeten, sich je nach Versuchsgruppe nur die Karriereseite, nur entsprechenden Arbeitgeberbewertungen auf Kununu oder beides nacheinander anzusehen. Danach gaben sie Einschätzungen die Attraktivität des Arbeitgebers betreffend ab. Die Ergebnisse sind eindeutig: Im Vergleich zur ursprünglichen Einschätzung erhöht die Auseinandersetzung mit der Karriereseite die Arbeitgeberattraktivität, während Informationen auf der Bewertungsplattform diese reduzieren. Wer sich beides anschaut und damit gemischte Signale aus unterschiedlichen Quellen empfängt, sieht den Arbeitgeber ebenfalls kritischer als zuvor.

Miteinander reden

Es bleibt üblicherweise nicht bei der Informationssuche im Internet, da junge Jobsuchende ihre eigenen Überlegungen mit anderen diskutieren. Ändert das die Attraktivität des Arbeitgebers? Eine Auswahl der an dem Experiment Beteiligten wurde zufällig in 36 Diskussionsgruppen eingeteilt und gebeten, über ihre Erfahrungen zu diskutieren. Das Ergebnis: Die eigene ursprüngliche Einschätzung des Arbeitgebers relativiert sich. Die zunächst positive Reaktion nach Durchsicht der Karriereseite wurde kritischer, der eher skeptische Befund nach der Lektüre von Arbeitgeberbewertungen wieder besser. Einzig die Situation, in der beide Internetquellen angeschaut wurden, ergab Bewegungen in beide Richtungen.

Was sich zudem zeigt: In der Diskussion werden die verschiedenen Signale entlang typischer Bewertungsmuster, sogenannter Werteordnungen, eingeschätzt. Diese helfen, aus der Fülle an Informationen diejenigen auszusortieren, die für die Einschätzung der Arbeitgeberattraktivität von besonderer Bedeutung sind. Jobsuchende suchen vor allem nach Informationen, die sich überprüfen lassen (industrielle Ordnung), die mehr Transparenz gewährleisten (staatsbürgerliche Ordnung) oder den freien Wettbewerb unter Bewerberinnen und Bewerbern ermöglichen (Marktordnung).

Was folgt aus den Ergebnissen dieser Studie für Jobsuchende, die die Attraktivität ihres zukünftigen Arbeitgebers fundiert einschätzen wollen? Wir raten zu drei Dingen:

· Nutzen Sie mehrere verfügbaren Quellen im Internet, aber bleiben Sie offen für zusätzliche Informationen, bevor Sie eine Bewerbungsentscheidung treffen.

· Suchen Sie sich Menschen in einer ähnlichen Situation, um Ihre vorläufige Einschätzung des Arbeitgebers zu besprechen und so zu einer besser fundierten Entscheidungsbasis zu kommen.

· Reflektieren Sie Ihre Werteordnungen, um sicher zu sein, über eine solide Basis zur Verarbeitung der verfügbaren Informationen zu verfügen. (Katharina Pernkopf, Markus Latzke, Wolfgang Mayrhofer 4.9.2020)