Die Swarovski-Gesellschafter richten heute, Freitag, im Tiroler Wattens den Blick in die Zukunft.

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Bei dem seit der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus in Turbulenzen befindlichen Tiroler Kristallkonzern Swarovski findet heute, Freitag, eine nichtöffentliche Gesellschafterversammlung statt. Einige Mitglieder der Familiendynastie befürchteten im Vorfeld ein De-facto-Ende von Wattens als Hauptstandort und kündigten Widerstand an. Die Unternehmensführung versuchte zu entwarnen: Wattens bleibe "Entscheidungs- und Kompetenzzentrum für Produktion und Innovation", hieß es in einer Aussendung von Firmenchef Robert Buchbauer.

Ungewisse Zukunft

Im Vorfeld der Versammlung wurde berichtet, dass etwa die Ausgliederung des Wattener Betriebs des Geschäftsbereichs Kristall unter das Dach einer Schweizer Holding auf der Tagesordnung der Versammlung stehe. Die Konzernspitze betonte stets, dass "im Herbst" von den Gesellschaftern eine neue Organisationsstruktur verabschiedet werden solle. Diese werde derzeit noch ausgearbeitet.

Am Standort Wattens werde nicht gerüttelt. Zudem werde das "Vehikel", das die Gruppe zukünftig bündelt, weiter seinen Sitz in Tirol haben, wurde versichert. Wattens werde das "globale Entscheidungs- und Kompetenzzentrum" für die Produktion und produktionsnahe Bereiche sein, erklärten Geschäftsführung und Beirat. Vor der Gesellschafterversammlung, die den ganzen Tag über dauern soll, soll es auch eine Mahnwache von Beschäftigten gegen die Abbaupläne in Wattens geben.

Stellenabbau geplant

Der Kristallkonzern hatte im Juli angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4.600 Stellen weitere 1.000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz nur noch rund 3.000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern. Der Stellenabbau betreffe nicht nur Wattens, sondern soll an allen weltweiten Standorten erfolgen, sagte die Unternehmensführung. Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern würden Ende September starten. Der bevorstehende Stellenabbau werde so sozial verträglich wie möglich im Rahmen eines weitreichenden und großzügigen Sozialplans gestaltet, hieß es.

Neue Strategie

Der Konzern feilt indessen an einer globalen Neuausrichtung. Dazu würden auch Einschnitte seitens der Gesellschafter notwendig sein. Bei den rund 70 Gesellschaftern herrscht seit längerem Unruhe, was die Neuausrichtung betrifft. Paul Swarovski, Vater von TV-Moderatorin Victoria Swarovski, hatte im Vorfeld gewarnt: Die Konzernleitung habe vor, die Komponentenfertigung für Schmucksteine "extremst auf den Eigenbedarf" zu reduzieren. Sollte dieser Plan Wirklichkeit werden, rechne Swarovski jedenfalls mittelfristig mit "unter 3.000 Beschäftigten" am Stammsitz in Wattens.

Er sei jedenfalls dafür, am Freitag über die Ausgliederung sowie die ebenfalls auf der Tagesordnung stehende Änderung der Gesellschaftsverträge abzustimmen, denn: "Es ist gut, wenn darüber abgestimmt wird. Denn damit das durchgeht, braucht es Einstimmigkeit." Und diese sei unter den rund 70 Gesellschaftern in der nichtöffentlichen Versammlung nun einmal nicht gegeben – und damit wäre der angebliche Plan der Geschäftsführung durchkreuzt. Zudem verlange er eine "Sonderprüfung" der "Misswirtschaft", die in den vergangenen Jahren Einzug gehalten habe. (red, APA, 4.9.2020)