Ein fantastischer Baum, reicht mit seinen Ästen fast majestätisch an nahezu jedes Fenster heran, ist Hort für Vögel aller Art, Eichhörnchen jeglicher Farbe und bietet vor allem im Sommer eine gehörige Portion Schatten, der die tropischen Wiener Temperaturen immerhin ein wenig erträglicher macht. Oder mich zumindest in diesem Glauben lässt.

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Vergangenes Mal, als ich genau an dieser Stelle meine wirren Gedankenstränge zu Papier bringen durfte, plädierte ich noch dafür, die Fenster zu öffnen und sie auch in diesem Zustand zu halten. Nun sind seitdem ein paar Wochen vergangen, die Temperaturen haben sich (zumindest am Anfang der Woche) beruhigt, und vieles deutet auf den schönsten Moment des Jahres hin, vor allem für Menschen mit sehr hellem Hautton – Herbstbeginn.

Den Anfang der schönsten aller Jahreszeiten (natürlich debattierbar, aber nicht mit mir) merke ich trotzdem nicht an einem genauen Datum oder an sinkenden Temperaturen oder an dem wundervollen Gefühl, endlich wieder Pullover und Sweatshirts tragen zu können. Ich merke ihn daran, dass ich nachts wieder unregelmäßig durch ein lautes Knallen aus dem Tiefschlaf gerissen werde und mich erst einmal ein paar Sekunden lang frage, was zur Hölle da gerade passiert ist.

Jump-Scare-Regisseur

Sie müssen wissen, ich habe eine riesige Eiche im Innenhof stehen. Ein fantastischer Baum, reicht mit seinen Ästen fast majestätisch an nahezu jedes Fenster heran, ist Hort für Vögel aller Art, Eichhörnchen jeglicher Farbe und bietet vor allem im Sommer eine gehörige Portion Schatten, der die tropischen Wiener Temperaturen immerhin ein wenig erträglicher macht. Oder mich zumindest in diesem Glauben lässt.

Anfang Herbst wird er aber zum schlimmsten Jump-Scare-Regisseur der Welt. Denn unter dem Baum befindet sich ein Wellblechdach, das nur darauf wartet, von den herunterfallenden Eicheln getroffen zu werden, um daraufhin laut und blechern aufzuheulen. Und weil das eben stets unerwartet kommt, liege ich nachts wach und warte nur darauf, dass der nächste Knall endgültig mein Herz aussetzen lässt. Ist es dieser? Oder dieser? Na, vielleicht der nächste, es bleibt spannend. (Thorben Pollerhof, 4.9.2020)