Das Symbol der LGBT-Community, die Regenbogenfahne, zählt zu den Feindbildern der extremen Rechten. Das rechtsextreme Videospiel ist mit homophoben Anspielungen gespickt.

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So richtig rund läuft es für die extreme Rechte nicht. Nachdem Identitären-Chef Martin Sellner und rechtsextreme Gruppierungen von Youtube, Twitter und anderen Plattformen vor die Tür gesetzt wurden, haben sie merklich an Einfluss verloren – ihre hauptsächlich auf Schlagzeilen ausgerichtete Politik funktioniert nicht mehr. Einem weiteren Projekt der extremen Rechten weht derzeit ein scharfer Wind entgegen. Teile der Gamer-Community machen gegen ein rechtsextremes Videogame mobil, das in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll. Es soll von der Vertriebsplattform Steam geworfen werden, wie es Youtube bereits mit Sellner gemacht hat.

Typisch rechtsextrem

Das pixelige 2-D-Grafik Jump-'n'-Run-Spiel "Heimat Defender" wurde maßgeblich von einem Österreicher entwickelt, herausgegeben wird es von der rechtsextremen Gruppe "Ein Prozent". Der deutsche Verein ist eine PR-Agentur für rechte Kampagnen, eine Plattform zur Vernetzung fremdenfeindlicher Proteste sowie ein Crowdfunding-Portal für Aktivisten. Da die Gruppierung Geld sammelt und verteilt, nimmt sie eine gewichtige Rolle im Netzwerk der sogenannten Neuen Rechten ein und verfügt über beste Kontakte in diesem Milieu.

Protest auf Twitter.

Dementsprechend kommt das Videospiel daher, wie man sich ein rechtsextremes Videogame vorstellt: bekannte Rechtsextremisten (darunter auch Sellner) als Spielfiguren, die gegen ein "Globo Homo"-Regime antreten. Neben dieser homophoben Anspielung finden sich in dem Spiel auch antisemitische Codes. So trägt ein Spielbösewicht die Gesichtszüge von George Soros, der in den vergangenen Jahren zum Feindbild von Antisemiten und Rechts-außen-Politikern avanciert ist.

Protest auf Twitter.

Frauen kommen lediglich als Spielgegnerinnen vor, die Hauptfiguren sind männlich. Als Gegner im Spiel taucht auch eine Figur auf, die aussieht wie der TV-Satiriker Jan Böhmermann, der ebenfalls zu den Feindbildern von Rechtsextremisten zählt. Ort der Handlung sind vor allem dystopische Großstädte "voller Antifa-Zonen".

"KZ-Manager" und "Anti-Türken-Test"

Mit dem Spiel, von dem bisher nur einige Videos veröffentlicht wurden, versuchen die Rechtsextremisten ihren Aktionsradius auszuweiten, sie wollen damit ein junges, vorwiegend männliches Publikum anzusprechen.

Das ist keine neue Entwicklung, rechtsextreme Videogames tauchten schon in den 1980er-Jahren auf. Damals versuchten Neonazis mit Titeln wie "KZ-Manager" oder dem "Anti-Türken-Test" Kinder und Jugendliche zu ködern. Alte DOS-Versionen dieser Titel werden von Neonazis noch immer zum Download angeboten.

#Gamergate

In den USA versuchte das radikale Trump-Umfeld Gamer zu rekrutieren und zu aktivieren. Dafür mischten sie etwa bei #Gamergate mit, einer Hetzkampagne gegen Frauen, die sexistische Darstellungen in Computerspielen anprangerten. Unter dem Schlagwort "Gamergate" werden die Frauen dabei via Twitter und im Internet bedroht: mit Vergewaltigung, Verstümmelung und Mord. Tatsächlich können Rechtsextremisten mit Frauenhass in der Community punkten. Zudem zählen neonazistische Codes, einschlägige Profilbilder und Nutzernamen zum Alltag bei Steam. In bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebten Onlinegames werden Frauen und nichtweiße Spieler regelmäßig sexistisch und rassistisch beschimpft.

Neben dem Spiel setzen Rechtsextremisten wieder verstärkt auf Aufmärsche. Am vergangen Samstag fand in Wien ein Fackelzug statt und für Anfang Oktober haben Sellner und eine Gefolgschaft eine Demonstration in Wien angekündigt. (Markus Sulzbacher, 16.9.2020)