Die Entwicklung von Euro und Dollar bereitet den Währungshütern derzeit Sorgen. Teure Exporte belasten die wirtschaftliche Erholung.

Foto: Reuters / Dado Ruvic

Die US-Notenbank Fed hat die Hoffnungen der Börsianer auf noch mehr Konjunkturstützen enttäuscht. Fed-Chef Jerome Powell erklärte, die Wirtschaft erhole sich schneller von der Krise, als noch im Juni gedacht. Die Fed hob ihre Konjunkturprognose daher deutlich an. Für 2020 erwartet die Notenbank nun ein Schrumpfen der Wirtschaft um 3,7 Prozent. Im Juni war ein Einbruch von 6,5 Prozent befürchtet worden. Der Leitzins wird voraussichtlich bis Ende 2023 bei nahe null bleiben.

Dollar wird stärker

Zwar sei jetzt klar, dass die Zinsen jahrelang nicht angetastet würden. "Die Fed hat aber nicht gesagt, dass sie noch drei Jahre lang Anleihen kaufen will", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst beim Handelshaus Avatrade. Angesichts der unerwartet starken Erholung könnte das Kaufprogramm vielmehr früher als gedacht zu einem Ende kommen. Der Dollar profitierte davon, ein Euro gab zeitweise 0,7 Prozent nach auf 1,1735 Dollar.

Der stärkere Dollar lastete auf dem Goldpreis, eine Feinunze (31 Gramm) verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 1.938,33 Dollar.

Die Entwicklung der Währung wird auch für die Experten der Europäischen Zentralbank (EZB) ein immer größeres Thema. Der Kursanstieg des Euro kommt für die EZB höchst ungelegen, da die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone immer noch von Unsicherheit geprägt ist. Zudem liegt die Inflation mit zuletzt minus 0,2 Prozent weiterhin weit von der Notenbank-Zielmarke von knapp zwei Prozent entfernt. "Eine relativ flotte und heftige Schwankung des Wechselkurses beeinflusst die Inflationserwartungen und die Bedingungen, die die Inflation bestimmen", sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos. Der Wechselkurs sei eine fundamentale wirtschaftliche Variable, die Importe, Exporte, importierte Inflation oder Deflation beeinflusse.

Seit Mitte Mai ist die Gemeinschaftswährung zum Dollar um rund 9,5 Prozent gestiegen. Damit werden Produkte aus dem Euro-Raum auf dem Weltmarkt tendenziell teurer, was ihre Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Zudem werden importierte Produkte billiger, was auf die Inflation drückt. Die Einigung der europäischen Regierungschefs auf umfangreiche Aufbauhilfen nach der Corona-Krise hatte dem Euro einen Schub verliehen.

Inflationsziel weit entfernt

Auch EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte erst vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass der Euro-Anstieg die Inflationserwartungen dämpft. Das von der EZB vielbeachtete Barometer, der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, liegt aktuell gerade einmal bei 1,2287 Prozent. Der Wert bedeutet, dass Investoren erwarten, dass die Inflation ab 2025 über einen Zeitraum von fünf Jahren lediglich bei etwas mehr als 1,2 Prozent liegen wird. Damit würde die EZB noch für Jahre ihr Inflationsziel verfehlen. (Reuters, bpf, 17.9.2020)