Während einer Modewoche auf sich aufmerksam zu machen ist nicht so einfach. Das dachte sich wohl auch die New Yorker Influencerin Michelle Madonna. Sie setzte sich während der New Yorker Fashion Week einen Kunststoffhelm auf und sah aus, als sei sie entweder Teil der Apollo-11-Mission oder Tim Burtons Science-Fiction-Komödie "Mars Attacks!" entflohen.

Influencerin Michelle Madonna trug während der New York Fashion Week einen "Covidisor".
Foto: TIMOTHY A. CLARY / AFP

Vorteil des kugelförmigen Kopfschutzes namens "Covidisor": er schützt nicht nur dank dreier Filter und eines Gebläses vor dem Coronavirus, sondern garantiert auch Blickkontakt. Mit einem Preis von rund 200 Euro wäre die Erfindung eines New Yorker Start-ups allerdings eine Investition. Ein gesundes Selbstbewusstsein braucht es für den Auftritt auch: wer so im Supermarkt aufkreuzt, könnte für ein Wesen von einem anderen Stern gehalten werden.

Ryan Gosling als Neil Armstrong im Film "First Man" von Damien Chazelle.
Foto: Daniel McFadden/Universal Pictures via AP
In Tim Burtons Science-Fiction-Filmkomödie "Mars Attacks!" spielten transparente Kunststoffmaken schon 1996 eine Rolle.
Illustrated Fiction

Günstigere Sci-Fi-Entwürfe gibt es allerdings auch: Das Berliner Kunstkollektiv Plastique Fantastique hat die iSphere-Maske entwickelt, für deren Fertigung nur zwei transparente Halbkugeln und ein wenig handwerkliches Geschick nötig sind. Diese werden zusammengeklebt und mit einem Loch für den Kopf versehen.

Das Berliner Kunstkollektiv Plastique Fantastique hat die iSphere-Maske entwickelt.
Plastique Fantastique

Eine konventionellere und modischere Alternative bringt Louis Vuitton im Oktober auf den Markt. Als erstes Luxusmodehaus hat sich die Marke an ein transparentes Gestell herangewagt, das wie ein verlängerter Sonnenvisor anmutet und vor UV-Strahlen schützen soll – bei Sonneneinstrahlung verdunkelt sich die Scheibe.

Louis Vuitton bringt ab Oktober als erstes Luxusmodehaus transparente Gesichtsvisiere auf den Markt.
Foto: Louis Vuitton

Ob Kunststoffschilde Schutz vor Corona bieten, ist umstritten. Dafür erinnern sie an modische Experimente der Vergangenheit: 1970 fotografierte der britische Fotograf Clive Arrowsmith das Model Donna Mitchell für die "Vogue" mit einem halbrund gebogenen Plexiglas vor dem Gesicht.

Während der Fashion Weeks erfreut sich das Kunststoffvisier bislang aber noch nicht allzu großer Beliebtheit. Der türkische Designer Bora Aksu zum Beispiel setzte während der London Fashion Week lieber auf durchsichtige Gesichtsschleier.

Der türkische Designer Bora Aksu zeigte während der London Fashion Week durchsichtige Gesichtsschleier.
Foto: REUTERS/Henry Nicholls

Ob die uns in der U-Bahn weiterhelfen? Wohl kaum. Dann doch lieber erst einmal die Bauanleitung des Berliner Kunstkollektiv Plastique Fantastique studieren. (Anne Feldkamp, 24.9.2020)