Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal Schnauzer tragen werde. Auch nicht, dass ich ihn auf Wunsch der Liebsten ein Jahr lang stehen lasse. Viel Zeit, um unterschiedliche Schnitte auszuprobieren ...

Gezwirbelt

Foto: Istock/getty images

"Jetzt hortet sogar der Kaiser Klopapier", entfuhr es meinem Nahversorger, als er mich im Lockdown mit bescheidenen zehn Rollen und einem gezwirbelten Schnauzer sah. Der Handelsmann irrte: Franz Joseph I. trug einen Backenbart mit ausrasiertem Kinn, Hercule Poirot hätte es eher getroffen. Ohne Bartöl ist das Ding kaum in Form zu halten, außer man wirft andauernd belgische Pommes ein – mit Mayonnaise zum Nachfetten den Zwirbels.
3 von 6 Punkten


Gerotzt

Foto: EPA/LAURENT GILLIERON

Die Rotzbremse ist der Muttertag unter den Schnauzern: eh nett, aber vom obersten Nazi missbraucht. Dabei ist die strenge Form im Idealfall quadratisch, praktisch und gut zu pflegen, zudem wurde sie auch von Charlie Chaplin oder Oliver Hardy getragen. Letztlich bleibt dieses Bärtchen aber etwas für die Selbstisolation. Im März traute ich mich damit nur kurz auf den Heldenplatz – weil 2020 tatsächlich niemand dort war.
2 von 6 Punkten


Gezupft

Foto: AP/file

Gehen Sie bitte nicht davon aus, dass Sie mit einem Clark-Gable-Bart wie Rhett Butler in "Vom Winde verweht" aussehen. Ich zum Beispiel ähnle damit eher David Niven in "Der rosarote Panther". Dieser schmale Schnurrbart mit akkuratem Abstand zur Oberlippe wird leicht von der Mitte nach unten geschwungen und ist mein klarer Favorit. Auch wenn widerspenstige Härchen gesondert gezähmt, also gezupft werden müssen.
5 von 6 Punkten


Gebogen

Foto: REUTERS Fotograf: STRINGER

Biker, Rocker und Wrestler schätzen den Fu-Manchu-Bart, benannt nach dem Bösewicht im Roman von Sax Rohmer. In meiner verweichlichten Visage rockt er nicht wirklich, und das Zurechtstutzen eines Spitzbarts inmitten wild sprießender Schnurrhaare ist wie Wrestling mit dem eigenen Gesicht. Trotzdem hat kein einziger Beobachter dieser offensichtlichen Schamhaare je Hulk Hogan zu mir gesagt. Eigentlich beschämend.
1 von 6 Punkten

(Sascha Aumüller, RONDO, 28.10.2020)