Werfen – Eine der wichtigsten Besucherattraktionen im Bundesland Salzburg feiert am kommenden Samstag ihren 100. Geburtstag: Am 26. September 1920 wurden erstmals Gäste durch die im Tennengebirge bei Werfen liegende Eisriesenwelt geführt. Zuvor hatten nur Höhlenforscher die riesige Wunderwelt aus Eis und Fels zu Gesicht bekommen. Sie ist die größte Eishöhle der Welt.

Betritt man sie, wird man zuerst von einem starken Luftzug empfangen – der Kamineffekt in der Höhle ist verantwortlich für die Eisbildung. Im Schein von Gaslampen geht es für die Besucher durch den Eispalast – immer wieder vorbei an beeindruckenden, die Fantasie anregenden Eisformationen.

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In den 100 Jahren, in denen die Naturattraktion zugänglich ist, hat sich die Höhle immer wieder verändert. "Das Eis wandelt sich, Figuren entstehen, verschwinden aber auch wieder. Das ist das Reizvolle an der Eishöhle", erzählt Friedrich Oedl, der Geschäftsführer der Eisriesenwelt. Sein Großvater Friedrich und dessen Bruder Robert gehörten zu jenen Höhlenforschern, die nach dem Ersten Weltkrieg als Pioniere das kilometerlange Labyrinth im Inneren des Berges erkundeten.

Offizieller Entdecker der Eishöhle ist der Salzburger Naturforscher Anton von Posselt-Czorich. Er ist 1879 allein rund 200 Meter in die Höhle vorgedrungen, dann konnte er auf der steilen Eiswand nicht mehr weiter. 1913 nahm Alexander von Mörk, der Begründer der Salzburger Höhlenforschung, mit einigen Kollegen die systematische Erkundung der Riesenhöhle im Tennengebirge auf.

Wunder aus Eis

Im Jahr 1920 errichtete Friedrich Oedl mit Forscherkollegen eine Hütte und einen Steig, damit auch Besucher zum ausgesetzten Höhleneingang in rund 1.600 Metern Seehöhe gelangen konnten. Die 1.000 Höhenmeter vom Tal zum Eingang mussten damals zu Fuß bewältigt werden. Trotz des beschwerlichen Anmarsches kamen vor dem Zweiten Weltkrieg jedes Jahr rund 10.000 Besucher, um das Wunder aus Eis im Inneren des Berges zu bestaunen, erzählt der Geschäftsführer.

Das riesige Höhlensystem erstreckt sich auf rund 42 Kilometer Gesamtlänge. Nur ein Teil ist für Besucher zugänglich.
Foto: APA/Barbara Gindl

Seit 1955 kann man den Höhleneingang über die Eisriesenweltstraße und dann per Seilbahn erreichen. Der höhere Komfort brachte auch mehr Besucher. Rund 170.000 Gäste schauen sich die jeweils von Mai bis Oktober geöffnete Höhle jedes Jahr an. Heuer werde man durch die Corona-bedingten Besucherbeschränkungen auf rund 80.000 Gäste kommen, sagte Oedl. Das Jubiläumsjahr wurde auch durch einen tragischen Unfall überschattet: Ein junger Besucher wurde auf dem Weg zum Höhleneingang von einem Stein getroffen und getötet.

Unentdeckte Winkel

Der rund einen Kilometer lange, durch faszinierende Eisformationen geprägte Besucherrundgang ist nur ein Teil des riesigen Höhlensystems. Das Labyrinth kommt auf rund 42 Kilometer Gesamtganglänge, nur der unterste Teil ist von Eis bedeckt. "Es gibt immer noch viele Winkel der Höhle, die unentdeckt sind", berichtet Oedl. Deshalb zieht die Höhle auch immer wieder Forscher an.

Durch Schmelzwasser entstehen in der Höhle immer neue Eisformationen.
Foto: APA/Barbara Gindl

Das Eis in der Höhle entsteht übrigens durch den Luftzug zwischen den tiefer gelegenen Eingängen und den höher gelegenen Öffnungen. Je nach Außentemperatur führt der Luftzug von oben nach unten oder umgekehrt. Im Winter, wenn die Luft im Berg wärmer ist als draußen, strömt kalte Luft in den Berg ein und kühlt den unteren Teil der Höhle auf unter null Grad Celsius ab. Wenn dann im Frühjahr Schmelzwasser durch die Felsritzen und Öffnungen eindringt, gefriert es. "Es ist immer wieder eine Überraschung, wo Wasser eindringt und sich etwas verändert", erzählt Oedl. Eine etwa zehn Meter hohe Eisfigur am Beginn des Rundgangs, die jetzt zu den Attraktionen gehört, habe vor 20 Jahren noch gar nicht existiert. (APA, 24.9.2020)