Mark Zuckerbergs Reich gerät vermehrt unter Druck.

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Der ehemalige Facebook-Manager für Monetarisierung, Tim Kendall, wirft Facebook vor, bewusst so gebaut zu sein, um Nutzer so süchtig zu machen wie Zigaretten. Er befürchte außerdem, dass die Plattform genauso gefährlich sein könnte wie solche. Kendall sagte vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses für Verbraucherangelegenheiten aus, dass Facebook Algorithmen gebaut habe, die die Verbreitung von Desinformation begünstigen. Auch würde dieser problematische Rhetorik bevorzugen und habe das Fundament für eine "psychische Gesundheitskrise" gelegt.

Beispiel Tabakindustrie

"Wir haben uns ein Beispiel an den Strategien der Tabakindustrie genommen, um unser Angebot so süchtigmachend wie möglich zu bauen", sagte der Ex-Manager, wie "Business Insider" berichtet. "Die Social-Media-Angebote, die ich und andere in den vergangenen 15 Jahren geschaffen haben, haben Menschen mit alarmierender Geschwindigkeit und Intensität auseinandergerissen." Im besten Falle sei das gemeinsame Verständnis ausgelöscht worden, im schlimmsten Fall werde die Gesellschaft immer mehr in Richtung eines Bürgerkrieges gedrängt.

Während seiner Arbeit bei dem Unternehmen in den Jahren 2006 bis 2010 hatte er ursprünglich angenommen, dass Facebooks monetäres Interesse mit der Gesundheit der Nutzer abgewogen würde – das sei allerdings nicht geschehen. Facebook sei rein auf Profit fokussiert gewesen. "Wir versuchten, so viel Aufmerksamkeit zu generieren, wie nur möglich – und das in Gewinne umzuwandeln", sagt der Ex-Manager.

Schockierende Inhalte bevorzugt

Der Algorithmus bevorzuge schockierende Inhalte, um extreme emotionale Reaktionen auszulösen und so besonders viel Aufmerksamkeit zu generieren – die wiederum mit Werbung zu Geld gemacht werde. "Diese Algorithmen haben das Schlimmste in uns hervorgebracht", so Kendall. "Sie haben unser Hirn neu vernetzt, sodass wir nun fremd von der Realität und zum Tribalismus gekehrt sind."

Der Ex-Manager ist nicht der erste ehemalige Mitarbeiter von Facebook, der sich öffentlich so kritisch äußert. Und auch von außen steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik, da es nicht genug gegen Hassrede und Desinformation tue. Bei einem Werbeboykott entschieden sich vor wenigen Monaten mehrere Unternehmen dazu, die Plattform zu meiden und dort keine Werbung mehr zu schalten, um gegen ihr Vorgehen zu protestieren. Seit der Corona-Krise und der damit in Verbindung stehenden Verbreitung von Falschinformationen, die vor allem auf sozialen Netzwerken geschieht, erwägen US-Regulatoren immer konkreter, soziale Medien einzuschränken. (red, 25.9.2020)