430 Migranten haben heuer bereits versucht, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, immer wieder kommt es zu Bootsunglücken (Symbolbild).

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Tripolis/Olbia – Nach einem Bootsunglück vor der Küste Libyens befürchtet die Internationale Organisation für Migration (IOM) erneut viele Tote. Drei Leichen seien aus dem Mittelmeer geborgen worden, teilte die Organisation am Freitag auf Twitter mit. Sie geht zudem davon aus, dass weitere 13 Vermisste ertrunken sind. Fischerboote brachten demnach 22 Überlebende zurück nach Libyen, nachdem das Boot am Vorabend gesunken war.

In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Bürgerkrieg und Chaos. Der nordafrikanische Staat hat sich seitdem zum zentralen Transitland für Migranten auf dem Weg nach Europa entwickelt. Nach Angaben der IOM starben in diesem Jahr bisher rund 430 Migranten auf dem Seeweg auf der zentralen Mittelmeerroute nach Südeuropa.

Alan Kurdi hat auf Sardinien angelegt

Das deutsche Rettungsschiff Alan Kurdi hat unterdessen mit 125 Bootsmigranten an Bord im Hafen der italienischen Stadt Olbia auf Sardinien angelegt. Das berichtete die deutsche Betreiberorganisation Sea-Eye am Freitag. Das Ausschiffen der Menschen, die im Mittelmeer aus Seenot geborgen worden waren, könne aber noch einige Stunden auf sich warten lassen, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye.

Zuvor hatte das italienische Innenministerium nach tagelangem Zögern die Genehmigung zum Einlaufen gegeben. 80 Prozent der Menschen sollten nach der Ankunft auf andere europäische Länder verteilt werden, hieß es in Rom.

Protest der Lega gegen Ausschiffen der Flüchtlinge

Parallel zur Ankunft im Hafen gab es einen Protest, angeführt von einem Politiker der rechten Lega von Matteo Salvini, gegen das Ausschiffen der Menschen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Adnkronos stoppte die Polizei die meisten Teilnehmer der Gruppe. Nur ein Regionalrat und der Lega-Parlamentarier Eugenio Zoffili aus Rom seien auf den Pier gelassen worden. Zoffili protestierte von dort in einem Facebook-Video. Er sprach davon, dass Sardinien als Urlaubsinsel nicht die gleichen Probleme mit "illegalen Einwanderern" haben dürfe wie die kleine Insel Lampedusa.

Die Seenotrettung im Mittelmeer vor Libyen und Tunesien ist ein umstrittenes Thema. Italien und Malta lassen gerettete Migranten oft Tage oder Wochen auf Schiffen ausharren, ehe ihnen die Einfahrt in einen Hafen erlaubt wird. Die italienische Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans warf den Behörden am Freitag vor, sie würden ihr Schiff Mare Jonio im sizilianischen Pozzallo blockieren. Zwei Crewmitgliedern werde der Zugang verweigert, hieß es. (APA, 25.9.2020)