Sotschi – Lewis Hamilton muss bis zum Siegrekord in der Formel 1 noch ein bisschen länger warten. Der erste Platz beim Großen Preis von Russland in Sotschi ging am Sonntag nicht an den Briten, sondern an seinen Mercedes-Teamrivalen Valtteri Bottas. Der Finne, der von Strafen gegen Hamilton profitierte, feierte seinen neunten Grand-Prix-Sieg. Max Verstappen holte als Zweiter den ersten Podestplatz für Red Bull in Sotschi. Auch der zweite Formel-1-Finne Kimi Räikkönen durfte sich freuen.

Sieg.
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Hamilton musste im Rennen zwei Fünf-Sekunden-Strafen absitzen, weil er vor Beginn Startübungen außerhalb der dafür vorgesehenen Zone in der Boxenausfahrt durchgeführt hatte. Damit war seine Rekordjagd ziemlich schnell zum Scheitern verurteilt. Bottas überholte Verstappen am Start, anschließend war Hamiltons Unheil sein Glück.

Hamilton behielt aber freilich seine komfortable Führung in der WM-Wertung. Bottas machte gegenüber dem Titelfavoriten immerhin elf Zähler gut, 44 Punkte beträgt nun sein Rückstand. Als sicherer Dritter ist Verstappen mit 77 Punkten gegenüber Hamilton im Minus.

"Es ist ein schöner Moment, um mich bei meinen Kritikern zu bedanken", sagte Bottas nach 53 Runden süffisant in seinem Cockpit. Es folgte ein englischer Kraftausdruck ("F***"), den die internationale Regie mit einem lauten Piepsen übertönte. Für den 31-Jährigen war es der zweite Sieg in der Saison 2020 nach dem Auftakt in Spielberg. Manche meinen, Bottas hätte im Lauf der Saison genügend Chancen gehabt, öfter zu gewinnen. "Es ist schön, wieder einen Sieg zu holen, denn das war schon lange nicht mehr der Fall. Jetzt muss ich das Momentum am Leben halten."

Schaumbad.
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Hamilton wollte zunächst nicht auf seine unerlaubten Probestarts eingehen. "Ich nehme die Punkte und mache weiter. Gratulation an Valtteri zum Sieg", sagte der 35-Jährige. "Es ändert jetzt nichts mehr an der Sache."

Später reagierte Hamilton gereizt auf die harte Entscheidung der Rennjury. "Sie versuchen, mich zu stoppen, oder nicht?", meinte der Brite im Sky-Fernsehinterview. "Ich muss mir einmal genau anschauen, wie die Regeln sind und was genau ich falsch gemacht habe", fügte Hamilton hinzu. "Ich bin mir ziemlich sicher, niemand hat für so etwas Lächerliches schon einmal zwei Fünf-Sekunden-Strafen bekommen", meinte er.

Doch keine Strafpunkte

"Ich habe niemanden gefährdet. Ich habe das im Lauf der Jahre auf einer Million Strecken gemacht und nie war etwas", verschaffte sich der Sechsfach-Champion Luft. Die Stewards bestraften Hamilton zudem zunächst mit zwei weiteren Punkten für sein Strafkonto, milderten später ihr Urteil aber wieder ab und vergaben doch keine Strafpunkte. Weil Mercedes nachweisen konnte, dass Hamilton vom Team angewiesen worden sei, die Probestarts an der falschen Stelle zu absolvieren, strichen die Kommissare die Punkte wieder. Stattdessen muss Mercedes eine Strafe von 25.000 Euro zahlen. "Die Regeln für die Übungsstarts lassen ein bisschen Raum für Interpretationen", sagte Teamchef Toto Wolff. Hamilton hält nun weiter bei acht Strafpunkten, bei zwölf würde ihm eine Sperre für ein Rennen drohen.

Verstappen freute sich indes darüber, im Mercedes-Sandwich zwischen Bottas und Hamilton gelandet zu sein. "Ich habe nur versucht, mein eigenes Rennen zu fahren. Ich bin sehr glücklich mit dem zweiten Platz nach zwei Ausfällen", betonte der Niederländer.

Safety Car

Nach mehreren Zwischenfällen nach dem Start rollte in der ersten Runde gleich einmal das Safety Car auf die Strecke. Grund dafür waren die beschädigten Autos von Carlos Sainz (McLaren) und Lance Stroll (Racing Point) sowie abgebrochene Teile, die weggeschafft werden mussten. Nach fünf Runden erfolgte der fliegende Neustart, danach konnte sich Hamilton nicht deutlich von Bottas absetzen. Der Brite musste wegen seiner weichen Reifen früher an die Box als Bottas und Verstappen, die auf Medium-Walzen unterwegs waren.

Hamilton kam in der 16. Runde an die Box und büßte dabei seine zwei Strafen in einem Aufwaschen ab. "Das ist einfach nur lächerlich", kommentierte er die Entscheidung der Renn-Stewards, die ihn ins Mittelfeld zurückwarf. So war der Weg frei für Bottas. Der 31-Jährige hängte Verstappen entscheidend ab, Hamilton konnte ihm erst recht nicht mehr gefährlich werden.

Es war nicht der Tag von Lewis Hamilton.
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Leclerc Sechster

Hinter Sergio Perez (Racing Point) und Daniel Ricciardo (Renault) belegte Charles Leclerc im Ferrari den sechsten Platz. Alexander Albon ergatterte im zweiten Red Bull als Zehnter gerade noch einen Punkt. Sebastian Vettel, der zweite Mann bei Ferrari, ging auf Rang 13 leer aus.

Räikkönen sorgte indes dafür, dass trotz des Hamilton-Schlamassels ein markanter Rekord erreicht wurde. Der Finne im Alfa Romeo beendete sein 322. Rennen in der Formel 1 als 14. Damit zog er in der Einsatzstatistik mit dem Brasilianer Rubens Barrichello gleich, der lange in dieser Wertung geführt hatte. "Ich muss bekennen, dass ich dachte, niemand würde dieser Zahl nahe kommen", richtete Barrichello in einer an Räikkönen gerichteten Video-Botschaft aus. Ob Räikkönen nächstes Jahr noch in der Formel 1 fährt, ist ungewiss. (APA, 27.9.2020)

Formel-1-Grand-Prix von Russland am Sonntag in Sotschi
(Rennlänge: 53 Runden zu je 5,848 km = 309,745 km)

1. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 01:34:00,364 Durchschnittsgeschw.: 197,710 km/h
2. Max Verstappen (NED) Red Bull +07,729
3. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +22,729
4. Sergio Perez (MEX) Racing Point +30,558
5. Daniel Ricciardo (AUS) Renault +52,065
6. Charles Leclerc (MON) Ferrari +01:02,186
7. Esteban Ocon (FRA) Renault +01:08,006
8. Daniil Kwjat (RUS) AlphaTauri +01:08,740
9. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri +01:29,766
10. Alexander Albon (THA) Red Bull +01:37,860
11. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo +1 Runde
12. Kevin Magnussen (DEN) Haas +1 Runde
13. Sebastian Vettel (GER) Ferrari +1 Runde
14. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo +1 Runde
15. Lando Norris (GBR) McLaren +1 Runde
16. Nicholas Latifi (CAN) Williams +1 Runde
17. Romain Grosjean (FRA) Haas +1 Runde
18. George Russell (GBR) Williams +1 Runde

Ausgeschieden: Carlos Sainz jr. (ESP) McLaren, Lance Stroll (CAN) Racing Point

Schnellste Runde: Valtteri Bottas (FIN) Mercedes in der 51. Runde in 1:37,030 Min. (Schnitt: 216,970 km/h)

WM-Stand (nach 10 von 17 Rennen):

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 205
2. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 161
3. Max Verstappen (NED) Red Bull 128
4. Lando Norris (GBR) McLaren 65
5. Alexander Albon (THA) Red Bull 64
6. Daniel Ricciardo (AUS) Renault 63
7. Charles Leclerc (MON) Ferrari 57
8. Lance Stroll (CAN) Racing Point 57
9. Sergio Perez (MEX) Racing Point 56
10. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri 45
11. Carlos Sainz jr. (ESP) McLaren 41
12. Esteban Ocon (FRA) Renault 36
13. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 17
14. Daniil Kwjat (RUS) AlphaTauri 14
15. Nico Hülkenberg (GER) Racing Point 6
16. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo 2
17. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo 2
18. Kevin Magnussen (DEN) Haas 1

Konstrukteurs-WM (nach 10 von 17 Rennen):

1. Mercedes 366
2. Red Bull 192
3. McLaren 106
4. Racing Point 104
5. Renault 99
6. Ferrari 74
7. AlphaTauri 59
8. Alfa Romeo 4
9. Haas 1

Anm.: Racing Point wurden wegen eines Regelverstoßes in der Konstrukteurswertung 15 Punkte abgezogen.