Die Walflosse ist Symbol des um 1970 als liberales Aushängeschild der FPÖ gegründeten, heute stramm rechten Atterseekreises.

Atterseekreis

Attersee – Am Schluss versucht Norbert Nemeth, der Präsident des Atterseekreises und Klubdirektor der FPÖ im Parlament, noch ein bisschen etwas zurechtzurücken: "Ich glaube nicht, dass hinter Corona eine große Verschwörung steckt. Aber man nutzt die Möglichkeiten." Etwa für eine "große Enteignung des Mittelstands", für eine Umverteilung nach oben, für eine Ausweitung der staatlichen Eingriffsmöglichkeiten in das Privatleben der Bürger.

Tägliche Gehirnwäsche

Davor hat die freiheitliche Verfassungssprecherin und Rechtsanwältin Susanne Fürst das Treffen des Atterseekreises genutzt, um ein viel düstereres Bild der Corona-Krise zu zeichnen: "Die Abschaffung des Bargelds ist schon weit fortgeschritten", lautet eine ihrer Thesen. "Es ist ein umfangreicher Ausbau des Polizeistaats" eine andere. Und: "Auch Sie leben mit der täglichen Gehirnwäsche ... Was will man mit der ganzen Welle, die über uns hereinbricht – weltweit orchestriert?"

Fürst sieht eine der Wurzeln des Übels, das ihrer Meinung nach über Europa hereinbricht, in der Politik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron: "Die Medien und die Hochfinanz haben ihn an die Macht gebracht. Er hat sowohl die Medien als auch die Bürgerlichen ihres Kerns beraubt."

Die Konservativen zurückgedrängt

Und Ähnliches passiere auch hierzulande, sagt Fürst: "In der ÖVP sind die Konservativen zurückgedrängt worden."

Der oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner, Förderer des Atterseekreises als rechtskonservative Denkfabrik, am Samstag aber nur als Gast bei der Tagung, prangert die "Scheinkonservativen" an, die den Begriff der Gleichheit aufgreifen und das Geschäft der Linken betreiben: "Den Linken werfe ich das nicht vor, das gehört zum Diskurs. Ich werfe es jenen vor, die vorgeben, konservativ zu sein."

Womit wir beim Kern der Tagung wären: Der Atterseekreis versucht, Deutungshoheit für das Dritte Lager zurückzugewinnen – über die Tagespolitik hinaus. Nicht leicht in einer Zeit, in der politische Gegnerschaft als "Feindschaft" dargestellt wird, wie Haimbuchner beklagt. Und erst recht nicht leicht, wenn ideologische Wurzeln in allen Parteien kaum mehr Beachtung finden.

Sozialistisches Trugbild

Nemeth immerhin hält dagegen. Getreu dem Tagungsmotto "Gleichheit – gesellschaftspolitische Prämisse oder sozialistisches Trugbild?" führen er und der in rechten Kreisen beliebte Schriftsteller Rolf Stolz ihr Publikum in die Gedankenwelt von Französischer Revolution und frühen sozialistischen Vorstellungen ein. Nemeth erinnert an die Gleichheitsvorstellungen von Gracchus Babeuf (1760–1797), der früh vorgeschlagen hat, Familie und Privateigentum abzuschaffen.

Stolz legt nach, arbeitet sich an Vorschlägen August Bebels (1840–1913) zur Vergesellschaftung der Kindererziehung und an "ultrafeministischen Gleichstellungsideen", die zur demografischen Katastrophe der Sowjetunion geführt hätten, ab.

Applaus aus dem rechten Eck.

(Conrad Seidl, 28.9.2020)