Chuck Feeney spendete 99,98 Prozent seines Milliardenvermögens.

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Der einfachste Weg, um Millionär zu werden, ist, als Milliardär zu starten, sagt man. Chuck Feeney hat das geschafft – und zwar mit voller Absicht. Der Stiftung des irisch-amerikanischen Milliardärs ist kürzlich – wie geplant – das Geld ausgegangen. Der 89-Jährige selbst soll von ursprünglich acht Milliarden Dollar nur noch zwei Millionen übrig haben.

Feeney ist im Duty-free-Geschäft reich geworden. In den 1950er-Jahren verkaufte er noch persönlich in Mittelmeerhäfen steuerfreie Spirituosen an amerikanische Soldaten, später baute er mit seinem Schulkollegen Bob Miller den Konzern Duty Free Shoppers (DFS) auf, verdiente am rasanten Aufstieg der Luftfahrtindustrie mit.

1982 transferierte er seine gesamten Anteile heimlich in seine Stiftung The Atlantic Philanthropies. Nicht einmal sein Geschäftspartner soll davon gewusst haben. Erst als er seine Anteile 14 Jahre später bei der Luxusgüterfirma LVMH vergoldete, machte er seine philanthropischen Aktivitäten öffentlich.

James Bond der Philanthropie

Mit seinen Milliarden unterstützte er Universitäten und medizinische Hilfsprogramme in aller Welt, spendete an eine Kampagne für die Abschaffung der Todesstrafe und die Durchsetzung von Obamacare. 2003 ging er gegen den Irakkrieg auf die Straße, bis 75 reiste er ausschließlich Economy Class, an seinem Handgelenk prangt bis heute eine Zehn-Dollar-Uhr von Casio. Mit seiner Frau lebt Feeney in einer Mietwohnung in Chicago. Man muss ihn fast mögen, den "James Bond der Philanthropie", wie ihn "Forbes" einst genannt hat.

Die Wohltätigkeitsaktionen von Milliardären stehen allerdings in der Kritik. Mit einem gerechten Steuersystem wären viele gar nicht auf reiche Spender angewiesen. Das Charity-Gehabe sei auch dazu da, um Verteilungsdebatten nicht überkochen zu lassen. Schließlich ist Feeney mit zollfreiem Alkohol und Zigaretten reich geworden, die Gewinne verlagerte er stets in Steueroasen. Den Staat kritisierte Feeney als ineffizient, lieber unterstütze er wohltätige Projekte direkt selbst. Seine fünf Kinder aus erster Ehe hat er schon früher mit DFS-Anteilen versorgt.

Doch solange steuerschonende Firmenkonstruktionen möglich und legal sind, kann man eigentlich niemandem ernsthaft vorwerfen, sich diese auch zunutze zu machen. Vom eigenen Milliardenvermögen nichts abzugeben hingegen schon. Anderen Superreichen rät Feeney jedenfalls, ebenfalls mehr während ihres Lebens zu geben: "Probieren Sie es, Sie werden es mögen." (Philip Pramer, 28.9.2020)